Actionboat auf den Färöer Inseln

Wir können den Tag entspannt angehen, obwohl es später mit dem Actionboat spannend werden sollte. Mich (Jan) hat eine kleine Magendarmerkrankung erwischt, die eine medikamentöse Behandlung nötig macht. Zumindest seh ich das so, da ich schon seit zwei Tagen damit zu tun habe und keine echte Besserung in Sicht scheint. Das Medikament, das ich mir selbst verschreiben würde gibt’s für 3 Euro in Deutschland in jeder Apotheke. Wie ich leider rausfinden musste, ist es hier verschreibungspflichtig. Also zum örtlichen Arzt. Ich schreib das hier weniger wegen meines eigentlich recht unspektakulären Gesundheitszustandes sondern vor allem um an dieser Stelle nochmal drauf hinzuweisen, dass die Färöer nicht teil der EU sind und somit die Krankenkassenkarte, mit der wir in Schweden und Finnland zum Arzt konnten, hier nicht gilt. Hier ist man Privatpatient (ohne die Sonderbehandlung wie sie es solchen in Deutschland zu Teil wird). Und das heißt man sollte sich für dieses Reiseziel eine Reisezusatzversicherung abschließen. Haben wir getan, kostet bei einer der größten Krankenkassen 23€ im Jahr für die ganze Familie. Aber man muss halt dran denken. Und nachdem der Arzt sowohl meine Diagnose als auch meine Medikamentation bestätigt hatte, sollte ich gleich und sofort bezahlen. In Bar. Da wir alles mit Karte bezahlt haben bisher, musste ich also erst mal zu nächsten ATM – Maschine  (EC-Automat) und  hab da dann die etwa 50€ in Färöer Kronen geholt. Das Rezept bekommt man dann übrigens immer noch nicht. Das wird nämlich elektronisch an die Apotheke übertragen, und dann kann man da sein Medikament abholen. Das hat übrigens auch nochmal 20€ gekostet (in Dland wie gesagt, ist das deutlich günstiger, warum auch immer).  Soweit erst mal zum Prozedere. Auch übrigens, als ich in der Apotheke stand, hieß es, man müsste mich erst mal in die EDV einpflegen, sonst könnte man mein Rezept nicht bearbeiten und ob ich nicht in 20min bis halbe Stunden wiederkommen könnte. (Als ich dann wieder da war, waren drei Damen damit beschäftigt, mich Sonderfall in die EDV einzupflegen so dass ich noch 10 min zusätzlich warten musste.)

Das Cafe Mormor auf Suduroy

Wir beschlossen, genau diese Zeit zu nutzen eines unserer Ziele hier zu besuchen. Nachdem wir nämlich in Klaksvik das niedliche und gemütliche Café Frida entdeckt hatten, und die Betreiberin uns das hiesige Café Mormor in Tvøroyri empfahl, wollten wir dahin. Mormor heißt übrigens „Mutter-Mutter“ also Großmutter.

Es ähnelte insgesamt deutlich mehr dem Café auf Mykines. Zwei Wohnzimmer: Schöne alte Möbel, alte Bilder und Fotografien an den Wänden, gesammelte Streichholzschachteln und andere Kuriositäten  und ein Tresen mit angeschlossener Küche. Als wenn man jemanden zuhause besucht. Sehr gemütlich. Und erst seit April geöffnet. Betrieben von zwei jungen Einheimischen, mit denen wir ins Gespräch kommen und die sich auch über den wachsenden Tourismus freuen, wissend das es diesbezüglich noch Entwicklungsbedarf gibt. Wir fühlen uns sehr wohl und Speis und Trank machen alle glücklich.

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Da Geertjes geplanter Helikopter Trip nach Torshavn wetterbedingt ausfiel, fuhren wir nun doch zu viert nach Sumba im Süden der Insel. Da galt es nämlich mit Actionboat .fo eine kleine Rundfahrt zu machen. Und man war ich froh, dass ich das nicht mit Morten alleine, wie ursprünglich geplant, machen musste, sondern Geertje mit den Kindern losschicken konnte (von wegen heute morgen beim Arzt und so…). Andererseits war es schade, dass ich angeschlagen war, denn insgesamt sah es schon sehr reizvoll aus. Gut, die See war rau, und alle Beteiligten wurden in Overalls und Rettungswesten gesteckt. Aber das mit zwei riesigen Motoren ausgestattete Boot mit seinen zwei Sitzreihen inklusive Haltebügeln, sah ausgesprochen vertrauenserwecken und vor allem schnell aus.

Und wow, genau das war es. Der Seegang spielt einfach keine Rolle, wenn man fliegt.

Actionboat in Sumba

Ab hier Geertje:

Als wir aus dem Hafenbecken raus tuckern beschwert sich der Kleinste schon über die langsame Geschwindigkeit, aber sobald wir auf dem offenen Meer sind, bleibt kein Raum mehr für Beschwerden. Wir fliegen tatsächlich. Ab und zu spritzt uns salziges Seewasser in die Gesichter. Wir nähern uns den Klippen im Südwesten der Insel Suduroy.  Wow sind die hoch. Hunderte, wenn nicht tausende Seevögel machen es sich hier in den Spalten bequem. Trottellummen und Möwen fühlen sich hier wohl. Auf dem Wasser schießen die süßen Puffins kreuz und quer. Zwischen den Felswänden bekommen wir alle Helme auf. Man könnte denken gegen herabfallende Steine, aber weit gefehlt, Hin und wieder fallen wohl Vogeleier von den Felsen runter. Wir fahren zwischen bizarren Felsformationen hindurch, schauen fasziniert nach oben. Hin und wieder entdecken wir Schafe an den steilen Wänden, an manchen Absätzen wächst nämlich Gras, das besonders gut gedüngt ist – durch die Schafskacke. Die Schafe sind die schmackhaftesten, wenn es um die Fleischqualität geht. Die Betreiber von Actionboat freuen sich schon auf ihr Weihnachtsschaf. Ich packe meine Kamera ein und aus, habe zum Glück noch eine Gopro am Kopf und filme ab und zu noch mit dem Handy. Ich weiß nicht genau, ob man das Erlebnis adäquat abbilden kann. Es ist einfach unglaublich die schroffen Felsen, die sich manchmal zu Toren öffnen und die unzähligen Vögel von der Nähe aus zu beobachten. Der gesamte Trip dauert eine gute Stunde und am Ende dreht Sigurd nochmal richtig auf und gibt auf dem Weg zum Hafen Speed. Die Kinder juchzen vor Spaß.

Während die Restfamilie Abenteuer erlebte, fuhr ich mal kurz an der örtlichen und einzigen Schwimmhalle vorbei. Eigentlich aus Neugier, denn von außen und vom anderen Ufer des Fjordes sah sie nicht sehr einladend aus, obwohl sie überall empfohlen wurde. Bei näherer Betrachtung stellt sich als Ursache eine Fassadenbauarbeit heraus, die dafür sorgte, dass man nur den grauen Dämmstoff sah. Also wie immer gilt: Ein Buch nicht nach dem Umschlag beurteilen, denn drinnen war alles tip top. Ein großes, noch recht neu wirkendes Schwimmbad. 30 Grad Lufttemperatur und  24 Grad Beckentemperatur und ein wärmeres Kinderbecken. Eigentlich wollten wir morgen hierher, und daher fragte ich nur so zur Sicherheit, wann denn Morgen auf sei. Man sagt mir gar nicht, weil ja Nationalfeiertag sei. Und so stand fest, was wir HEUTE noch machen. Als ich die Familie dann abholte, stellte sich zum Glück heraus, dass wir wirklich fast alles aus dem Auto ausgeladen hatten, nur nicht die Schwimmsachen. Und so konnten wir direkt wieder zurück fahren.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Schwimmhalle Pøls Hall heißt und zwar weil sie gebaut wurde, weil ein Färöer es seiner Zeit schaffte, bei Olympia zu siegen, was in sofern nochmal was besonderes war, weil er überhaupt keine Schwimmhalle  (und schon gar nicht mit Olympischen Ausmaßen hatte, um zu üben). So baute man ihm zu Ehren und für den zukünftigen Nachwuchs diese Halle.

Die Kinder waren jedenfalls zwei Stunden gut beschäftigt. Und auch die Erwachsenen hatten ihren Spaß inklusive Sauna und Whirlpool.

Fix und fertig ging es dann nach Hause, Essen und ins Bett. Morgen mehr.

Papa

Jan Marquardt ist als Papa von Merle und Morten gut ausgelastet. Hat aber doch noch Zeit sich als Videograf, Blogger und Journalist mit all den spannenden Themen zu beschäftigen, die ihn an neue virtuelle und reale Orte führen. Das ein oder andere Foto hat er auch schon zum Blog beigesteuert. Und viele Texte von unterwegs versehentlich als Geertje Jacob eingeloggt veröffentlicht, daher steht in den Texten meist noch ein extra Hinweis auf seine Autorenschaft. Falls nötig :)

Ein Kommentar:

  1. Pingback:Wir auf den Färöer Inseln - Das Video - Nordicfamily

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