Hausboot fahren in Finnland mit der Familie

Mit einem Hausboot über finnische Seen zu schippern war schon lange ein Traum der nordicfamily. Wie wir einen Tag auf einem Hausboot verbrachten, schildern wir im Blogpost mit Video.

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Wir wachen im Hotel Cumulus Resort in Jyväskylä auf. Die Sonne steht auf der Fassade des Hotels und ist bis auf den Balkon vorgekrochen. In unseren großen zwei Zimmern hat es Jan geschafft, einigermaßen Dunkelheit zu erzeugen, denn die Nächte sind noch sehr kurz so spät im Juli.
Ich schnappe mir die Kids und gehe mit ihnen zum Frühstücksbuffet im Erdgeschoss. Es ist Sonntag und deshalb sind hier so viele Familien oder generell viele Gäste. Die Kinder finden gleich ihre Leibspeisen, gebratenen Speck, Rührei, kleine Croissants.

Frühstück und Spa im Cumulus Resort in Jyväskylä

Ich versuche mich an die einheimischen Speisen zu halten. In Finnland ißt man zum Frühstück Porridge mit Zucker oder auch mal salzig und na klar Piroggen. Das sind so kleine Teigtaschen mit Reis gefüllt. Dazu Kaffee und Preißelbeersaft. Richtig guten Kaffee habe ich hier in den Hotels noch nicht gefunden. Nur beim Ausflug mit Ilkka in Himos gab es Kaffee auf dem Lagerfeuer gekocht – herrlich.

Die Kids sind ganz scharf darauf, den Spa Bereich des Cumulus Resort kennenzulernen. Mir würde bei dem guten Wetter eher der Sinn nach einem Ausflug stehen. Aber ich füge mich den Wünschen. So ganz schlecht ist es auch nicht, schon nach dem Frühstück in warmen Sprudeln herum zu dümpeln und die Sauna zu besuchen. Jan übernimmt das Rumtoben mit dem kleinsten auf diversen schwimmenden Matten, Krokodilen und anderen Spielgeräten. Viele der Gäste nutzen noch die Chance, am Abfahrtstag, den Bereich bis 11.30 zu nutzen. Dann wird es schlagartig sehr leer und wir haben die große Poollandschaft für uns.

Gegen Mittag machen wir uns zum nächsten Abenteuer auf: Hausboot fahren in Finnland. Einen kurzen Einkauf für das Picknick am Nachmittag überlasse ich Jan und Merle. Wohl etwas teurer als bei uns, aber meist etwas abenteuerlicher, sich zwischen fremdartigen Produkten zurecht zu finden.

Sie kehren mit Würstchen und Fladenbrot sowie süßen Getränken zurück.

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Ein Hausboot im Hafen von Jyväskylä

Sonntagsspaziergänger schlendern am Hafen von Jyväskyla entlang. Einige finden ihren Weg auf Ausflugsdampfer oder Restaurantschiffe. Die Mama und die Kids wollen unbedingt ein Eis.
Die Ausflugstasche wird an der Kaimauer geparkt. Ich schicke die Kids mit einem fünf-Euro Schein für Eis in den Kiosk und bestelle schon mal eine Kugel Schoko. Die Große kommt etwas bedrömmelt wieder raus. Eine Kugel kostet 3,20 Euro – oje das hätte ich nicht gedacht und muss mir selbst mit meiner dicken Geldtasche einen Überblick verschaffen. Zum Glück gibt es auch Stileis. Das preiswerteste Wassereis kostet aber auch 2,50, das netteste Stileis 4,50 – Nicht schlecht. Hafenpreise? Ungewöhnlich selbst für Finnland. Dafür stehen wir dann auch noch 15 Minuten an.
Auf jeden Fall kommen wir dann mit unserem Gerödel auf dem richtigen Steg mit den houseboat.fi Fahnen an und sehen auch schon unser Objekt des Tages.

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Kleine technische Einführung, um ein Hausboot zu führen

Große viereckige Kästen auf Pontons. Der Gasgrill auf der Terrasse und ein gepolsterter Kapitänssitz mit Lenkrad und verglaster Fassade davor. Jan hat schon einmal Platz genommen und lässt sich die Knöpfe und Hebelchen im Cockpit erklären. Man benötigt keinen Führerschein und die Einweisung fällt auch sehr knapp aus. Learning by doing ist das Motto. Die wichtigste Instruktion: Schön im Tiefen bleiben und nicht in die blauen Bereiche auf der digitalen Karte fahren.
Jan probiert einen großen Bogen im Hafenbecken zu drehen. Krista von der Hausbootfirma ist noch an Bord und beobachtet die ersten Fahrversuche. Wir setzen sie dann an der Kaimauer ab und sind jetzt auf uns alleine gestellt.

Hausboot in FinnlandLuxus auf dem Hausboot in Finnland

Da Jan  am Steuer einen ganz gelassenen Ausdruck macht, bereite ich auf dem Gasherd erst einmal einen Kaffee und einen Kakao zu. Auf der vorderen Terrasse sitzend sehe ich die letzten Häuser von Jyväskylä an uns vorüber ziehen. Die Kids staunen, ob des luxuriösen Gefährtes, inspizieren jede Ecke und sitzen träumend an Deck. Es ist windig, aber trotzdem etwas sonnig. Ein bisschen neidisch sind sie auf die schnellen Wasserjets, die laut und schnell über den See brausen.

Ankern in einer Bucht und Saunieren auf dem Hausboot

Bald wird es ruhiger und grüner. In einem Kanal muss sich Jan etwas mehr konzentrieren, um schön in der Mitte zu bleiben. Das Gefährt ist schließlich sieben Meter breit und 20 Meter lang. Rote Holzhäuser und viel Grün säumen das Ufer. Dann eröffnet sich wieder ein großer See. Hier wollen wir uns irgendwo einen gemütlichen Ankerplatz zu suchen, um zu schwimmen und die Sauna an zu heizen. Am Heck des Bootes befindet sich eine Mini Sauna mit Holzofen. Zum Glück haben wir einen großen Sack Holz an Bord. Es dauert ungefähr eine halbe Stunde und der kleine Raum ist gut aufgeheizt. In der Zwischenzeit bin ich mit der Großen eine Runde um das Boot geschwommen und an der gegenüberliegenden Felswand hochgeklettert.

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Das Wasser ist echt kalt und ein Saunagang dringend nötig. Wir quetschen uns in die gemütliche kleine Sauna, schauen durch die gläserne Tür auf den See. Ein Aufguss und uns läuft der Schweiß in Strömen. Die beste Abkühlung ist ein Sprung in den See vom Rand des Bootes. Was für ein Luxus. Eine schwimmende Sauna im nirgendwo für uns ganz alleine. Das Herz Finnlands, wo wir uns gerade befinden, ist auch die bekannteste Sauna Region. In unserem Hotelzimmer habe ich schon mal ein Buch durchstöbert. Es gibt so viele Traditionen und Gebräuche rund um die Sauna. Am wichtigsten ist die Gelassenheit und Ruhe, die Erholung und Entspannung, die mit dem Saunieren einhergeht. Aber auch Kommunikation in der Familie und unter Freunden ist ein wichtiger Aspekt.

Hausboot in Finnland

Grillen auf dem Hausboot

Jan hat in der Zwischenzeit am anderen Ende des Bootes den Gasgrill angeschmissen und die dicken kurzen Würstchen knusprig gegrillt. Es duftet über das ganze Boot und der Appetit kommt von ganz alleine. Die Wolken am Himmel sind mittlerweile etwas dramatischer zusammengezogen. Eine tolle Kulisse: Granitfelsen, Waldränder und am weiten anderen Ufer ein paar vereinzelte Holzhäuser. Stille.
Wir essen Fladenbrot, Würstchen und hart gekochte Eier. Der kleinste ist mittlerweile schon in eine Fleecedecke eingemummelt. So richtig sommerlich warm ist es nicht. Aber dafür gibt es ja eine Sauna.

Hausboot in Finnland

Ein Manöver mit dem Beiboot

Ich schnappe mir das Beiboot und rudere ein bisschen, um das Ufer zu erkunden und das Boot von Ferne zu fotografieren. Die kleine Nussschale ist ganz schön wackelig und auf dem Rückweg geht mir die Halterung eines Ruders kaputt. Oje, ohne diese Halterung am Boot kann ich gar nicht mehr mit beiden Rudern agieren. Ich versuche es notdürftig zu reparieren, aber nach zwei Ruderschlägen ist es wieder locker. Ich treibe immer weiter vom Mutterschiff ab. Jan bemerkt die Situation und wir werden  etwas aufgeregt. Als er mir sogar versucht ein Tau zu zuwerfen, es aber nicht trifft bzw. es zu kurz ist, wird er etwas nervös. Denn wenn ich in das Schilf treibe oder zu nah ans Ufer, wird eine „Rettung“ mit dem Mutterschiff schwierig. Die Rettungsaktion geht los, in dem er mit dem Hausboot etwas rückwärts fährt, um in meine Nähe zu kommen. Es gibt wie in teuren Autos auch eine Rückwärtsfahrkamera. Dort sieht er mich. Unsere Große wirft mir noch einmal ein Tau zu. Diesmal klappt es und meine kleine Nussschale kann wieder am Mutterschiff anlegen. Erleichterung bei allen.

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Einparken mit einem Hausboot

Wir treten den Rückweg in den Hafen von Jyväskylä gegen Abend an. Es regnet sogar ein bisschen. Wir lümmeln jedoch in dem gemütlichen „Wohnzimmer“ mit verglaster Fassade und seitlichem Bullauge herum, malen, spielen und genießen das langsame Reisen. Jan ist ein guter Kapitän und navigiert uns durch die Gewässer bis zur Anlegestelle von Houseboat.fi. Respekt hat er schon vor dem Einparken an der richtigen Anlegestelle zwischen den anderen Hausbooten. Es ist nicht ganz ohne, den das Boot reagiert auf Richtungsänderungen sehr sehr langsam. Er managed aber den Wendekreis des Bootes richtig einzuschätzen.  Wir sammeln unsere sieben Sachen zusammen und übergeben das Boot wieder an Krista, erzählen in schillernden Farben, wie wir Sauna und Kaltwasserschwimmen genossen haben.

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Wir fahren die vier Kilometer wieder zurück zum Cumulus Resort. Dort machen wir es uns im Zimmer gemütlich und die traditionelle Filmauswahl fällt auf einen Animationsfilm, den ich nicht unbedingt sehen muss. Ich schaue lieber ein bisschen in die Landschaft und sitze auf dem Balkon. Mein Skizzenbuch füllt sich immer mehr, diesmal vertiefe ich mich in die grafische Gestaltung einer Getränkedose „Cool Grape“ ist ein herrliches Urlaubsgetränk hier in Finnland. Grapefruitebrause mit Gin gemischt. Dann wird noch ein bisschen gearbeitet.

Wie du sicherlich bemerkt hast, legen wir auf dieser Reise mehr Wert auf die Produktion von Bewegtbildmaterial.  Das muss vom Handy gesichert und bearbeitet werden. Frißt ganz schön Zeit, ist aber für die Leser unseres Blogs hoffentlich eine gelungene Abwechslung. Schreib uns gerne, wie du diese Art der Berichterstattung findest.

Wir danken der Region Central finland, dem Hotel Cumulus Resort und der Hausbootfirma houseboat.fi für die Unterstützung und die  finnischen Erlebnissen in Jyväskylä.

Geertje schreibt und fotografiert auf Reisen gerne, um diese intensiven Momente des Lebens festzuhalten. Sie möchte diese wunderbare Welt auch ihren Kindern zeigen und reist deshalb am liebsten als Familie in den Norden. Schön ist es, wenn Bilder und Texte auch andere Familien zum Reisen inspirieren.

Ein Kommentar:

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