Nordlichtfotografie mit Systemkamera

Viel Respekt habe ich vor der Nordlichtfotografie mit Systemkamera. So habe ich dir in einem früheren Blogpost die fünf wichtigsten Schritte in der Nordlichtfotografie vermittelt und mich dabei auf Erfahrungen mit meiner Vollformat DSLR Kamera gestützt. Mit gefiel mein schönes 24mm Objektiv und die Rauscharmut der Bilder trotz schlechter Lichtverhältnisse.

Kurz vor der aktuellen Wintersaison und damit der besten Jahreszeit, um in Skandinavien Nordlichter zu fotografieren, bin ich auf eine kleinere spiegellose Systemkamera umgestiegen.

Warum der Umstieg von Vollformat DSLR auf Systemkamera?

Auf meinen Reisen möchte ich mit meiner Fotoausrüstung leichter und flexibler werden. Ich sehne mich nach Rucksackreisen und Wintertouren, wo es auf das Gewicht meines Reisegepäcks ankommen wird. Deshalb liege ich mit 867g in der jetzigen Kitausstattung der Fuji XT2 im Vergleich zu meiner Vollformat DSLR mit 1825g ein Kilo drunter.

Die Reise nach Schwedisch Lappland im Dezember war die erste Reise für meine neue Fuji XT2 Systemkamera. Ich habe sie als Kit mit dem 18-55mm Objektiv gekauft.
Speziell für diese Reise habe ich mir das  Fujifilm XF 16 mm F1.4 R WR Objektiv geliehen, um die optimale Lichtausbeute für meine nächtlichen Streifzüge zu bekommen.

Meine Ausrüstung für die Nordlichtfotografie mit Systemkamera

Außerdem gehören zu meinem Nordlichtfotografie Set bei solchen Reisen

  • Das Manfrotto Stativ 190XProB (obwohl ich das mit kleinerer Kamera auch durch ein leichteres ersetzen könnte, da gibt es das Cullmann Stativ in meiner Materialsammlung)
  • Eine gute Stirnlampe, nitecore
  • Ersatzakkus für die Fuji XT2
  • Smartphone mit einer Aurora Forecast App
  • Startracker
  • Handschuhe mit halben Fingern
  • Thermoskanne mit warmen Getränk
  • Daunenjacke
  • Wasserdichte Kameratasche  (Gegen Kondenswasserbildung , wenn man wieder ins Warme kommt- leider gibt es die auch nicht mehr zu kaufen, nur ein ähnliches Modell)
leichte Variante

 

Systemkamera Ausrüstung im Vergleich zur Vollformat DSLR Ausrüstung auf Reisen

Mit dem Kamera Kit bin ich vor der Reise schon ein wenig auf Fotostreifzügen unterwegs gewesen, um mich ein wenig einzustimmen.

Was mir so als erstes im Vergleich zu meiner Vollformat Ausrüstung aufgefallen ist:

  • Geringere Größe und Gewicht des gesamten Equipments in meinem Reisegepäck
  • Sehr gute Bedienbarkeit der wichtigsten Funktionen am Body der Fuji XT 2 auch mit Handschuhen
  • Die Bedienung und Steuerung des Autofokus ist für mich etwas gewöhnungsbedürftig.
  • Die RAW Dateien der Fuji X 2 kann ich mit meiner alten Software nicht gleich entwickeln und benötige einen neuen Workaround
  • Das schwenkbare Display ist Gold wert, weil ich so oft auf Augenhöhe von Kindern gehe.

Ich bin etwas aufgeregt, weil ich keine Zweitkamera mit auf Reisen nehme. Im Falle von Nordlichtern muss also alles mit der neuen Kamera klappen, um erfolgreich auf Jagd zu sein.

Nordlichtfotografie mit Sytsemkamera in Schwedisch Lappland

Der erste Abend, an dem meine Nordlicht App in Schwedisch Lappland anschlägt, ist der heilige Abend. Mit Hummeln im Hintern wohne ich der Bescherung bei und stürme sofort hinauf auf den See hinterm Haus im kleinen Örtchen Abborrträsk bei Arvidsjaur.

Der kleine Ort besteht aus ein paar Handvoll Häusern.

Die drei wichtigsten Bedingungen sind erfüllt:

  • KP Index ist hoch genug (zeigen die Apps Aurora Forecast oder Aurora Now auf meinem Handy an)
  • Klarer Himmel ohne Wolken
  • Wenig bis kein Umgebungslicht von Straßenlaternen oder großen Städten.

Ich stiefel mit meiner Stirnlampe am Kopf durch hüfthohen Schnee runter zum See, dort ist der Schnee nicht so tief und es gibt auch ein paar Scooterspuren. Das Eis sollte also tragen. Ich schaue Richtung Norden und als sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, entdecke ich ein paar grünliche Schleier am Himmel.

An der Kamera befindet sich das Fujifilm XF 16 mm F1.4 R WR Objektiv.

Die extrem gute Lichtstärke von 1,4 soll mir zu ein paar guten Bildern verhelfen. Das 16mm Objekt entspricht übrigens einer Brennweite von 24mm im Vollformat. Ich bin also schön weitwinklig unterwegs, aber trotzdem noch einigermaßen Kompakt und kaum verzerrt, geht es mir doch um schön weite Landschaftsaufnahmen mit dem nördlichen Lichtphänomen. Im vergleich zu dem Kit Objektiv ist es mit über dreihundert Gramm und einem Durchmesser von 8cm doch auch noch ein Stück größer. Aber das soll es mir wert sein.

Nordlichtfotografie mit Systemkamera und niedrige Temperaturen

Durch das Metallgehäuse ist das Objektiv wie auch die Kamera perfekt Staub- und Spritzwasser geschützt. Das beruhigt mich bei all den Outdoor Abenteuern, die wir so mit der nordicfamily erleben. Weiterhin kommt die Kamera ganz gut mit den minus zwanzig Grad zurecht. Den Ersatzakku trage ich dicht am Körper, so dass ernicht zu kalt wird.
Trotz des tollen Gehäuses achte ich immer peinlich genau darauf, die Kamera Luftdicht zu verpacken, sobald ich aus der Kälte wieder in die Wärme komme,damit sich kein Kondenswasser an oder gar in der Kamera bildet. Dazu habe ich noch meine alte Ortlieb Fototasche, die es leider nicht mehr im Handel gibt. Das oben abgebildete Thule Modell ist aber ganz ähnlich, vielleicht sogar besser gepolstert.

Die Blende stelle ich bei meinem Testobjektiv manuell am Blendenring in Drittelschritten ein. Für meine nächtliche Fotoreihe öffne ich diese auf 1.4
Den Autofokus stelle ich an der Kamera auf manuell und sehe im Display eine Leiste mit der Entfernungseinstellung. Da muss ich sehr genau hinschauen, um den Unendlichpunkt zu treffen und hoffe, dass es richtig ist. Der linke Einstellring steht auf 100 Iso, die Belichtungszeit zunächst einmal auf 25 Sekunden.

Die ersten Testaufnahmen sehen ganz gut aus. Die Schärfe kann ich nicht vollständig kontrollieren, obwohl ich an die Sterne im Display ranzoomen kann, bin ich mir nicht ganz sicher. So spiele ich an der Stelle etwas herum und versuche mehrere Varianten.

Nordlichtfotografie mit Systemkamera

Welche Belichtungszeiten bei der Nordlichtfotografie mit Systemkamera

Auch mit kürzeren Belichtungszeiten experimentiere ich. Tatsächlich reicht die Lichtstärke aus, um auch mit 10-15 Sekunden zu fotografieren.
Man kann sich als Faustregel merken:

Desto heller das Nordlicht schon mit bloßem Auge zu sehen ist und desto lichtstärker die Kamera ist, um so kürzer muss ich belichten.

Lange Belichtungszeiten bei schwachem Nordlicht führen zu grünen Schleiern und je nach Brennweite zu Sternen, die nicht mehr als Punkt, sondern als Streifen zu sehen sind. Unter Umständen fängt man damit aber auch violette und rote Spektren des Nordlichts ein.
Kürzere Belichtungszeiten als 15 Sekunden führen oft dazu, dass man noch die prägnante Bewegungsform des Lichtes erkennen kann.

Vordergrund und Umgebung für die Nordlichtfotografie mit Systemkamera

Ich träume immer noch davon, zu einer Jahreszeit die Nordlichter zu fotografieren in der die Gewässer noch nicht zugefroren sind und die Polarlichter sich in ihnen spiegeln. Das ergibt oft sehr dynamische und abwechslungsreiche Bilder.

Ein interessanter Vordergrund ist oft für eine Komposition entscheidend. Dafür kann ein schwach beleuchtetes Element, wie ein Zelt, ein samisches Lavvu dienen oder man kann einen Baum benutzen. Mit dem Headlight kann man solch ein Vordergrundobjekt auch etwas anleuchten, um es in Szene zu setzen. Auch da bedarf es einiger Experimente was Belichtungszeit und „Anleuchtzeit oder – helligkeit anbelangt“.

Das Fokussieren funktioniert mit dem großen Stellring am Objektiv prima, obwohl er auch nur Informationen an die Kamera übermittelt. Man muss ihn zum Fokussieren leicht nach hinten ziehen. Bei einem Vordergrund Objekt würde man natürlich nicht auf unendlich stellen, sondern die Schärfe auf das Objekt legen.

Das Weitwinkelobjektiv bietet außerdem die Möglichkeit, Objekte aus sehr kurzer Entfernung nämlich 15 Zentimeter ab Sensorebene zu fotografieren, bei großer Blendenöffnung ergeben sich schöne Freistellmöglichkeiten. Nahe Objekte wirken außerdem überdimensional groß im Vergleich zum Hintergrund.
Das ist tatsächlich neben der Nordlichtfotografie mit Systemkamera noch einmal ein neues Experimentierfeld für weitere Tests.

Bildqualität bei der Nordlichtfotografie mit Systemkamera und Fujifilm XF 16 mm F1.4 R WR Objektiv

Schon in der Kamera wird gegen Verzerrung und Randabdunklung vorgegangen. Beim Auswerten der Nordlicht Fotos später im RAW Entwickler war nur eine sehr geringe Randverdunklung bei offener Blende zu verzeichnen. In Labortests von offizieller Seite waren angeblich in allen Blendenstufen kaum merkliche Randverdunklungen zu messen, wobei der Verlauf auch sehr sanft ist.

Beim Entwickeln der Nordlichtbilder ist es immer wieder eine Herausforderung den Weißabgleich neu vorzunehmen bzw. die Stimmung bewusst zu beeinflussen. Eine kalte bläuliche Nacht mit warm grünen Mäandern am nordischen Himmel können ähnlich schön wirken wie eine warme goldene Landschaft mit grünen und violetten Nordlichtern am Himmel.

Ein kurzes Wort zum Startreacker

Den Startracker habe ich immer im Gepäck, um in Nordlicht armen Nächten wenigstens ein paar Sterne zu fotografieren. Der kleine Motor bewegt die Kamera in Erdgeschwindigkeit mit, so dass bei langen Belichtungszeiten die Sterne weiterhin als Punkt auf dem Foto gezeigt werden und nicht als Bewegungsstreifen. So sind mit etwas Übung auch Milkyway Fotos möglich.

 

Fujifilm X-T2 Systemkamera Kit inkl. XF18-55mm Objektiv (24,3 Megapixel) schwarz

 

 

Dieses Video ist aus Einzelaufnahmen zusammengestellt. Mit der Systemkamera Fujifim X-T2 kann man auch filmen, was wir sicherlich für kommende Arbeiten und Aufträge auch einmal ausprobieren werden. Durch die sanfte und langsame Überblendung der Einzelfotos sollst du in diesem Video einen Eindruck bekommen, wie sich die Nordlichter am Himmel bewegen. Das kann natürlich auch viel rasanter oder auch viel langsamer geschehen je nach Intensität und Astro Wetterlage.

Das Objektiv bekam ich für die Reise von Fujifilm zu Testzwecken geliehen. Vielen Dank dafür.

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Papa

Jan Marquardt ist als Papa von Merle und Morten gut ausgelastet. Hat aber doch noch Zeit sich als Producer Digital, Blogger und Journalist mit all den spannenden Themen zu beschäftigen, die ihn an neue virtuelle und reale Orte führen. Das ein oder andere Foto hat er auch schon zum Blog beigesteuert. Und viele Texte von unterwegs versehentlich als Geertje Jacob eingeloggt veröffentlicht, daher steht in den Texten meist noch ein extra Hinweis auf seine Autorenschaft. Falls nötig :)

2 Kommentare:

  1. Interessanter Beitrag! Bin schon seit 2 Jahren mit der X-T1 unterwegs und sehr zufrieden. Nur ist es inzwischen so, dass ich sie manchmal als zu groß und zu schwer empfinde und auf die Canon G7 X Mark II meiner Frau ausweiche, var allem beim Wandern und so. Interessant wie sich die Perspektiven verändern… vor allem da die kleinen Kameras immer besser werden.

    Nordlicht ist für mich immer noch eine große Herausforderung, und ich hoffe gegen Ende des Jahren wieder die Gelegenheit dazu zu haben (oder vielleicht bald mal Südlichter?).

    LG aus dem tiefen Süden
    Hartmut

  2. Lieber Hatmut, schön von dir zu lesen. Wußte ich gar nicht, daß du „auch Fujifilm bist“. Vielleicht gehen wir ja mal zusammen auf Nordlichtjagd. Südlichter wären auf jeden Fall auch spannend. Herzliche Grüße Geertje

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