Strohskulpturen in Valloire – kein Reisetagebuch – ein Arbeitstagebuch mit Videos

Wie ich neulich ja schon berichtet habe, begab ich mich Anfang Juli mit meinem neuen Reisebegleiter auf den Weg zum Strawsculpting Strohskulpturen Symposium  nach Valloire in den französischen Alpen.
Hier setze ich mit meinem heutigen Bericht einmal an. Mehr ein Arbeits- als ein klassischer Reisebericht. Hoffentlich wirst du auch aber auch neugierig werden, den Alpenort im Sommer zu besuchen

20170709-DSC_4340Ein Blick hinter die Kulissen des Internationalen Straw- and hay sculpting symposiums – Strohskulpturen Symposiums

Noch am Abend des Anreisetages hat es mein Kollege Gaston geschafft, den kleinen Ort Les Verneys mit dem Auto von Bodensee aus zu erreichen. Auch er hat einen langen Fahrttag und unzählige Serpentinen hinter sich.
Ich bin froh, dass er da ist, denn schließlich haben wir ab Dienstag ein spannendes Projekt vor. Einige Erfahrung haben wir mit einer gemeinsamen künstlerischen Arbeit 2012 am Icehotel gesammelt. Dort gestalteten wir, für uns beide aus einem neuen Material, nämlich Eis und Schnee eine Hotelzimmer.
In diesem Jahr sind Stroh und Heu nicht ganz neu für mich, denn im vergangenen Jahr habe ich an selber Stelle mit Tjasa aus Schweden hier eine Skulptur erschaffen.
Für Gaston ist diese Arbeit neu.
Es gäbe viel zu erzählen, aber dazu haben wir auch noch die kommenden Tage bei der Arbeit Zeit. Ein Ankunftsbier und es geht ab in die Falle. Wir checken in den gemütlichen Apartments le havre ein.

Tag Eins – Noch kein Stroh in Sicht

Typisch französisches Frühstück sind Weißbrot, ein Kaffee und frisch gepresster Saft. Süßes Müsli gibt es noch zur Stärkung. Dann geht es auf die Baustelle. Ein riesengroßer Schotterparkplatz an der Straße zum Col de Galibier. Die Sonne steht schon hoch, kein Baum spendet Schatten. Wir stecken nach meinen Planungen das Revier ab und versuchen den Grundriss in die Originalgröße zu übertragen. Keine einfache Angelegenheit wie man auch im Video sieht. Die Formen sind einfach zu verschlungen.
Uns gelingt es jedoch spätestens nach dem reichhaltigen Mittagessen die Grundkonstruktion für die erste Labyrinthwand aufzustellen.
Die Verpflegung bei diesem Symposium ist eine große Attraktion. Schon zum Mittagessen gibt es Rotwein und verschiedene Käse und Süßspeisen als Dessert. Viel Fleisch als Hauptmahlzeit. Die 24 Teilnehmer des Symposiums laben sich an den tollen regionalen Speisen.
Zum Abendbrot dasselbe und als die Sonne untergeht, ist noch gemütliches erzählen mit den anderen Künstlern angesagt, denn einen Großteil kenne ich noch vom letzten Jahr. Die meisten von ihnen sind das ganze Jahr über in Schnee und Eis oder Sand beschäftigt.

Tag 2 – Skorpione aus Gummi zwischen den Strohskulpturen

Wir haben einen Plan und beschließen, bis zum Abend eine geschlängelte Strohwand fertig zu haben und die zweite Konstruktion aufzustellen. Es ist Mittwoch und ich bin mir nicht sicher, ob wir das Pensum, das ganze Labyrinth mit drei Wänden fertigzustellen, bis Sonntag schaffen werden. Etwas Nervosität macht sich breit. Die Gelassenheit, die Gaston ins bolivianische Team mit einbringt, spendet Kraft. Aus Argentinien“ kommt in einer heißen Nachmittagspause auch noch Mate Tee angeflogen. Das belebt ungemein

Tag 3 mit sehr schöner Zwangspause auf 2642 Metern Höhe

Unser Arbeitspensum musste heute trotz einer Zwangspause zu schaffen sein. Die geballte Mannschaft aus Künstlern wurde die Serpentinen auf den Col de Galibier zum Mittagspicknick hinauf gebracht. Eine halbe Stunde Autofahrt für 10 Kilometer Schlängellinie. Atemberaubend. Dort oben, die Sonne und die Schneereste verschlagen mir fast die Sprache. Es gibt Leckerein wie gewohnt zum Mittag nur in Picknickform. Danach müssen wir wieder in Arbeitsform kommen und schaffen sogar nach dem Abendbrot noch weiter. Insgesamt sogar sehr angenehm, denn abends ist es nicht mehr so heiß auf dem schattenlosen Bauplatz. Mittlerweile ist schon an vielen Skulpturen etwas außer einem Skelett zu erkenn. Die meisten beginnen, mit Stroh oder Heu zu arbeiten.
Ich bin manchmal ganz schön unzufrieden mit dem Ergebnis unserer Wandstopftechnik. Ich dachte, man würde die Wände gleichmäßiger hinbekommen. Ein schönes Wort für die jetzige Gestalt: archaisch.

Tag 4 – Mate belebt

Heute am Freitag könnten wir eigentlich ganz schön weit kommen. Immer wieder ist Regen und Gewitter in der Wettervorhersage. Schön wäre es, wenn es sich etwas abkühlen würde, aber so viel könnte man dann auch nicht schaffen. Im Regen wäre es auch kein schönes Arbeiten. Immer wieder schiebt sich diese Vorhersage nach hinten. Zum Glück. Es ist sehr lustig, wie diese spanische sprechende Community so zusammenhält und sich die Ohren voll quatscht. Irgendwie verstehe ich immer ein bisschen. Aber dann auch auch wieder nicht. Sprechen könnte ich es auf jeden Fall nicht.
An diesem Abend arbeiten wir mal nicht, weil es fast klar ist, dass man am letzten Abend am Samstag arbeitet.

Tag 5 Samstag – Endspurt an den Strohskulpturen

Alle scheinen super gut voran zu kommen. Gigantische Wesen aus Stroh und Heu entstehen. Die wenigsten haben sich wie wir an etwas Abstraktes heran gewagt. Gewissermaßen liebt das Volk aber auch Wesen mit großen Augen, nackte Frauen oder wieder erkennbare Tiere. Zugegebener Maßen ist auch ein überdimensionaler Skorpion sehr beeindruckend. Ebenso wie ein Elch oder überdimensionierte menschliche Figuren. Sehr beeindruckend ist es auch, wie die Technik sich entwickelt hat und alle mit feinen Matten arbeiten.
Am Abend widmet sich Gaston seinem bolivianischen Mond. Ich mag es sehr, dass meine Idee des abstrakten Labyrinthes damit noch eine bolivianische Note bekommt.

Tag 6 Sonntag – mit Preisverleihung

Bis 12 Uhr Mittags dürfen wir noch an den Skulpturen arbeiten, dann ist Sense. Ich versuche noch verzweifelt an den Wänden etwas zu richten. Große Beulen raus zuziehen oder Löcher zu stopfen. Ein bisschen vergebens. Auch die Linienführung wird nicht viel perfekter, obwohl ich mit der Schere wie beim Frisör die Strohschnipsel abschneide. Von oben auf der Leiter sehe ich immer schon wie die Kids durchs Labyrinth flitzen und Fangen spielen. Das ist doch die größte Freude, wenn die Kunst benutzt wird bzw. angenommen wird. Mein Herz wird ganz warm. Jetzt braucht es fast keinen Preis mehr. Wie schön jedoch, dass es uns gelang so viele Menschen zur Abstimmung zu bewegen, dass wir den Internet Preis bekommen haben. Da hat die Social Media Manager Ausbildung doch was genützt

 

Eien kleine Fotogalerie zeigt noch ein paar Impressionen von den heißen Arbeitstagen beim Bau der Strohskulpturen in Valloire, Frankreich.

Geertje schreibt und fotografiert auf Reisen gerne, um diese intensiven Momente des Lebens festzuhalten. Sie möchte diese wunderbare Welt auch ihren Kindern zeigen und reist deshalb am liebsten als Familie in den Norden. Schön ist es, wenn Bilder und Texte auch andere Familien zum Reisen inspirieren.

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