Die Ausrüstung für den Winter auf der Skitour in der Hardangervidda

Im Vorfeld meiner ersten Skitour in die Hardangervidda habe ich mich ein bisschen wegen der Ausrüstung für den Winter verrückt gemacht und auch verrückt machen lassen. Man könnte ja unendlich viele Blogs und Ausrüstungslisten studieren, um theoretisch zu einem Ergebnis zu kommen. Oder man fragt einfach persönlich erfahrene Leute oder man schaut einfach, was möglich ist und was ausleihbar ist. So ging es mir.

Wollige Ausrüstung

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Aus meinen winterlichen Erfahrungen hat sich Wollunterwäsche als der beste Baselayer herauskristallisiert.
Warum Wolle?
Die Baselayer mit Merinowollanteile transportieren den Schweiß von der Haut weg nach außen. Wenn sich also große körperliche Aktivität mit Pausen abwechseln ist das ideal. Ich habe schon früher mal darüber geschrieben und die Kids haben davon erzählt, was sie tragen. Nämlich auch Wolle. Selbst im vergangenen Lappland Sommer habe ich eine ganz dünne Woolpower Schicht getragen. Jetzt in der Hardangervidda habe ich alle dabei: von Lite bis 400er Dicke. Bei Woolpower, einer schwedischen Marke, wird die Dicke in 200er bis 600er angegeben. Dabei ist die dickste Sorte noch auf besondere Weise gewebt. Ull Frottee ist nämlich Wollfrottee mit Schlaufen, die extra Luft einschließen und deshalb besonders gut isolieren.

Nach den Vorhersagen hätte es noch gut minus 10 bis 15 Grad werden können. Wurde es aber nicht. Für um die Null Grad sind lange Unterhosen in 400er Wolle einfach mal zu dick. Für Aktivitäten wie Skilanglauf reicht vollkommen die Woolpower Lite Hose. Macht man jedoch eine Pause könnte man mal schnell zur 400er wechseln, aber das geht ja leider nicht. Zum Sitzen im Küchenzelt und sich wohlig warm fühlen ist die dicke Unterhose genau richtig.
Die Oberteile waren besser Zwiebelschalen ähnlich zu kombinieren. Ich trage ein 200er Langarmshirt von Woolpower, dann eine 400er Strickjacke und noch eine 200er Weste. Darüber eine Hardshelljacke (meine Bergans of Norway Skiausrüstung in Magenta) gegen den Wind.

Was mir noch fehlt und ich mir wirklich wirklich von Woolpower wünsche, ist ein Bustier oder BH mit Merino Anteilen.

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Boxershorts gibt’s ja schon aus Merinowolle. Die sind auch echt praktisch.
Merinowolle verhindert auch schlechte Gerüche, so kann man die Sachen gut eine Woche tragen ohne, dass es dolle müffelt.

Weiter zu den Wollsocken. In den schwedischen Lundhags Skischuhen befindet sich als Isolierung ein Filzinnenschuh. Macht schon mal einen sehr soliden Eindruck. Die Schuhmarke mit den traditionellen Wander- und Jagdstiefeln legt ebenfalls Wert auf ein Zwiebelschalenprinzip. Außerdem liest man immer wieder von  Vapo-Linern. Also von vorne:

Die Schuhe passen beim heimischen Ausprobieren mit zwei paar dicken Woolpowersocken einigermaßen. Ich probiere auch Vapo-liner über ganz dünnen Socken aus und dann darüber die Wollsocken. Geht auch. Nur die Vorstellung, in dem dünnen Socken unter der Plastikschicht irrsinnig zu schwitzen, ist nicht besonders schön. Ist aber eine angewandte Technik, damit der Lederschuh vom Schweiß nicht nass wird und am Ende der Nacht gefroren im Vorzelt steht. So wie es Christian passiert ist.
Ich probiere die Plastiktüten an den Füßen die ganze Tour über nicht aus. Aber verschiedene Socken Kombinationen. Vor der Tour hatte ich leider auch keine Gelegenheit die Lundhags Husky mal auszuprobieren. Eventuell hätte ich sie auch kleiner genommen, um nicht zwei Paar dicke Socken zu tragen. Ich vermute das begünstigt ein Scheuern und Blasenbildung.

Zu meiner Kleidung habe ich weite runten noch ein Video eingefügt.

Ausrüstung in Sachen Skischuhe

Ansonsten fühlen sich meine Füße gut gehalten in den Skischuhen für Dreipunktbindungen mit Seilzug. Sie heißen Lundhags Husky und sind tatsächlich nicht zum Hundeschlittenführen, sondern zum Skifahren gedacht. Es gibt eine hochgezogene Zehenkappe aus Zellgummi, die den Fuß gut schützt. Der Skischuh ist eine Kombination aus einem 3-Lagen und einem 1-Lagen System. Der Schaft ist aus Vollnarbenleder, wasserdampfdurchlässig und einigermaßen flexibel. Die robuste 3-Lagenkonstruktion befindet sich im Fußbereich und verteilt den Schnürdruck und wärmt optimal. Der herausnehmbare Innenschuh aus Filz ist ganze 5mm dick. Der Filzschuh hat einen Fersenhalt mit hinein konstruiert. Jetzt versteh ich auch langsam, warum der Schuh an meinem Fuß so groß aussieht. Ich glaube der herausnehmbar Filzschuh gibt auch einen guten Hütten- oder Lagerschuh ab. Bei der Auswahl habe ich mich an den tatsächlichen Zentimeterangaben inklusive Sockendicke orientiert, nicht an normalen Schuhgrößen.  Die Schuhe wiegen fast 1 Kilogramm pro Schuh. Das ist nicht ohne.

20160405-DSC_6088Und ja ich hatte Blasen und nein, ich kenne keinen aus der Gruppe, der oder die keine Blasen hatte. Christian veraztet alle hervorragend bis seine Blasenpflaster aufgebraucht sind. Ich habe eine zweite Hacke.

Aber deshalb habe ich auch eine Variante für das Lager dabei, den sogenannten Lagerschuh. Wenn man gerne etwas komfortabler durch das Zeltlager schlendern möchte, sollte man weiche, leichte „Hausschuhe“ dabei haben. Ich entscheide mich für Daunenschuhe von Yeti, weil ich ja schon von meiner Yeti Daunenjacke Desire so begeistert war. Zusätzlich habe ich mir Motorradüberschuhe gekauft. Damit kann man aber auch ganz schön rumschlittern. Im Zelt beim Tagebuchschreiben sind sie total gemütlich. Beim Sitzen im Küchenzelt lege ich mir eine Isomatte unter die Füße, dann geht’s. Meine Sitznachbarin hat hervorragende leuchtend blaue Moonboots. Das ist wohl der ideale Lagerschuh.

Ausrüstung in Sachen Kleinteile: Mützen, Handschuhe, Sturmhaube und sonstige Gadgets

Ich habe diverse Handschuhe in meinem Gepäck in der Hardangervidda. Skihandschuhe, Lederfäustlinge, Wollhandschuhe. Aber das allerbeste waren meine Woolpower Gaiter, also Pulswärmer. In der Bewegung waren bei den Temperaturen eigentlich nur dünne Wollhandschuhe nötig. Der Wind war weder scharf noch kalt. Manchmal reichten mir meine Handgelenkswärmer aus Wolle. Soll wohl nicht so gut für die Gelenke sein, nichts zu tragen.

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Beim „Spielen“ im Schnee, also Iglubau, Skulpturenbau und so sind wasserdichte Modelle nicht schlecht. Davon gibt es bei den Kollegen z.B. auch nur so Goretex Überzieh Handschuhe. Perfekt.

Wenn die Handschuhe einmal klamm bis nass sind trocknen sie auch so schnell nicht wieder, es sei denn die Sonne brezelt wirklich dolle. Eine Variante, klamme Socken oder Unterwäsche zu trocknen, ist, sie mit in den Schlafsack zu nehmen. Das funktioniert aber nicht mit richtig nassen Sachen.

Meine Wollmützen waren meistens auch zu warm. Oft würde bei Temperaturen um Null Grad wahrscheinlich ein Stirnband reichen. Bei der Mützenfrage richtete ich mich allerdings nach meiner Jacke, sonst hätte es ein heilloses Farbdurcheinander gegeben – Luxusprobleme. Aufgrund der Wärme hatte ich auch meine Sturmhaube oder den Gesichtsschutz eigentlich nie angelegt.
Was sehr hilfreich und variabel einsetzbar war und ist: mein Lieblingstube aus Woolpower Lite. Das konnte ich mal als Schal oder als Stirnband tragen. Herrlich und empfehlenswert.

Das zu der Software, den weichen Sachen in meinem Gepäck.

Die Hardware Ausrüstung

20160406-DSC_6284Ein bisschen Hardware war auch dabei. Essgeschirr und Besteck: Göffel (Lightmyfire)  Opinel, Napf, Metalltasse, Thermoskanne. Die Küchenausrüstung hatten die Pros dabei, zwei Primus Benzinkocher und Töpfe dazu. Mal eine interessante Zahl in dem Zusammenhang: Man sagt, jeder Teilnehmer verbraucht pro Tag ca 1,5 Kilogramm Gepäck. Dazu zählt Benzin und Trockenfutter. Der schlaue Thomas, der die Verpflegungspulka zog.

Waschzeug: Zahnbürste, Minideo, Feuchttücher, Travelhandtuch, Haarbürste – mein Medipack beschränkte sich auf Kopfschmerz/Fiebermittel und ein paar Pflaster. Zu dem Medizinthema wird Christian nochmal bei Gelegenheit seine Liste veröffentlichen. Daneben kann man beruhigt im Zelt schlummern.

Skibrille und Sonnenbrille waren auch dabei. Letztere mag ich ja nicht. Skibrille ist schon praktisch, manchmal zu warm.

 

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Apropos Zelt. Die Zelte kamen von Wechsel. Ich hatte eine Evazote Isomatte und eine Therma rest lite aufblasbar und schlief in einem dünnen Daunenschlafsack, der in meinen Bergans Daunenschlafsack Senja Ice reingezogen war. Als Kopfkissen diente mir meist meine Strickjacke. Mütze hatte ich auch nachts auf.

Foto Ausrüstung in der Hardangervidda

Ausrüstung in der Hardangervidda

Meine Fotoausrüstung war ziemlich umfangreich, kompakt, aber schwer:

  • Nikon D600 mit 28-300mm Objektiv
  • Nikon Objektiv 28mm
  • 5 Ersatzakkus
  • Gopro Hero3 + Zubehör
  • Minibiegsames Stativ
  • Manfrottostativ (ziemlich schwer)
  • Iphone 5
  • Aufladekabel für alles
  • Aufladegerät für Kameraakkus
  • Vixen Polarie Aufsatz
  • Stirnlampe Nitecore
  • Die Ortliebtragetasche Aqua Zoom mit Tragesystem, was ich wieder lieben gelernt habe.
  • Fürs Handy so eine Wasserdichte Hülle, die ich aber nicht genutzt habe.

Wilfried hatte einen großen Stromspeicher dabei, der mit einem Solarpanel tagsüber aufgeladen werden konnte. Dort konnten eigentlich alle Kleingeräte der gesamten Gruppe aufgeladen werden.

Alles habe ich versucht mehr oder weniger in verschiedene „Themenbeutel“ und Packsäcke zu packen. Die Seekuh / Meine große 120 Liter Bergans Tasche war voll. Einen Tagesrucksack habe ich eigentlich auch kaum gebraucht, denn was ich unterwegs naschen wollte, hatte ich in der Jacke oder Hose. Das andere in der Pulka.  Die erfahrenen Grönlandüberquerer hatten eine kleine selbstgenähte Tasche an ihrem Zuggestänge für Unterwegsutensilien. Eine wunderbare Erfindung. Ich war ein bisschen neidisch.

Vielen Dank für die Unterstützung mit Ausrüstung durch Woolpower, Lundhags, Yeti und Wechseltents.

Geertje

Geertje schreibt und fotografiert auf Reisen gerne, um diese intensiven Momente des Lebens festzuhalten. Sie möchte diese wunderbare Welt auch ihren Kindern zeigen und reist deshalb am liebsten als Familie in den Norden. Schön ist es, wenn Bilder und Texte auch andere Familien zum Reisen inspirieren.

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