Vorbereitungen auf den echten Winter in Kanada

Nachdem wir hier gerade viel über den echten Winter in Finnland geschrieben haben, steht noch eine Traumdestination mit Traumjahreszeit im Mittelpunkt, es ist der Winter in Kanada.

Nicht umsonst steht der Artikel unter anderem in der Kategorie „Nur die Mama!“, denn diesmal ist es keine Familienreise, sondern ein Arbeitsaufenthalt mit meinem Kollegen und Freund Thomas Braun aus Rostock in Sachen Kunst. Wir werden auf zwei Winterfestivals zwei Schneeskulpturen erschaffen. Von unseren Vorbereitungen, Die Werkzeuge, Die Ausrüstung, die Events und die Destinationen werde ich hier kurz erzählen. Wir gewähren quasi schon mal im Vorfeld einen Blick hinter die Kulissen unserer Arbeit.

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Die Planung der Anreise nach Kanada

Da wir zwei Festivals an zwei verschiedenen Orten besuchen, ist die Planung und Buchung von Gabelflügen notwendig. Wer sich schon einmal durch die Tiefen des Internets gegraben hat, weiß, dass dies viel Zeit kosten kann. So habe ich mir gesagt, wollen doch mal sehen, ob ein örtliches Reisebüro nicht auch preiswerte Flüge finden kann und schwuppdiwupp fühlte ich mich super beraten und auch mit einem vernünftigen Preis für die Gabelflüge ausgestattet. Ich war ja ewig nicht mehr in einem Reisebüro, aber dank Jo-Jo Reisen in Potsdam habe ich jetzt wieder einen guten Draht zu diesem Business. Also Flüge gebucht und ETA (Elektronische Einreisegenehmigung) gemacht und alle Unterlagen sicher abgespeichert.

Bei der Einholung der niederschmetternden Information bei der Lufthansa und Aircanada, dass Thomas seine Geige nicht mit ins Handgepäck nehmen kann, war uns auch das Reisebüro behilflich. Einziger Ausweg, sagte man uns, sei ein einzelner Sitzplatz für über 500,00 Euro bei der Lufthansa für den Überseeflug. Wie deprimierend. Von wegen Kulturförderung. Wir hatte uns schon so gut ausgemalt, auf einem Kunst, Kultur und Musikfestival auch Musik mit einzubringen.

Die Destinationen und ihre Festivals

Zunächst folgen wir einer Einladung nach Edmonton zum Silverskate Festival. Im Oktober bewarb ich mich mit einer Idee für einen der zwölf internationalen Plätze beim Schneeskulpturen Smyposium und wurde prompt eingeladen. Die Freude war riesig. Seitdem überwiegen die Gedanken um den Entwurf, dazu später mehr im Artikel.

Das Silverskatefestival in Edmonton, Alberta

Das Silverskatefestival ist ein zehntägiges Familienevent im Februar in Edmontons landschaftlich schön gelgenen Flusstal. Die Wurzeln des Festivals liegen in den Tradtionen niederländischer Einwanderer. Es kombiniert Sport, besonders Eislaufen, Kunst und Kultur, wie auch Spaß und Freude am Winter. In diesem Jahr feiert das Festival seine 27. Wiederholung. Ist ist das langjährigste Festival in Edmonton. Über die Jahre wuchs es sprunghaft von einem kleine Eislauf Festival zu einem großen extravaganten großen Festival heran. Im letzten Jahr hatte es mehr als 105000 Besucher.
Der Hawrelak Park wird jeden Winter in ein Winterwunderland für die gesamte Familie verwandelt. Man kann atemnberaubende Schneeskulpturen sehen, Wintersport erleben und treiben und Schlittentouren mit Pferdeschlitten unternehmen. Außerdem ist es auch gemütlich in einem Wintercamp am Lagerfeuer zu sitzen und Fladenbrot zu backen. Wenn man es etwas aktiver möchte, nimmt man am Wintertriathlon teil oder am Eisschnelllauf. Eine andere Variante sind die vielseitigen Theateraufführungen und Konzerte im Park. Die Festival Aktivitäten sind so vielfältig wie die Community der Menschen hier in Edmonton und Umgebung. Hier gibt es Eindrücke vom diesjährigen Festivalprogramm

Wenn wir noch mehr Zeit hätten, würden wir bestimmt einmal die 3 stündige Autofahrt in die Skigebiete der Rocky Mountains auf uns nehmen. Das heben wir uns mal für später auf, denn unser Zeitplan ist eng getaktet und wir fliegen nach 3tägiger Arbeit weiter zum

Festival du Voyageur nach Winnipeg in Manitoba

Noch zentraler in Kanada liegt Winnipeg. Schon im vergangenen Jahr hörten wir von einer Künstlerkollegin in Kiruna von dem sagenumwobenen Festival du Voyageur. Es gilt als das größte Winterfestival in Kanadas Westen. IN jedem Winter seit 1970 verwandelt sich das französische Viertel in Winnipeg zu einem Winterparadies und ist Gastgeber für das größte Winterfestival im Westen Kanadas. Die Geschichten der First Nations und Einwanderer werden wieder zum Leben erweckt. Das geschieht nicht nur im restaurierten Fort Gibraltar, sondern auch im gesamten Voyageur Park und anderen Plätzen in der Stadt. Alte Musik, traditionelle Küche, sensationelle Schneeskulpturen und atemberaubende Shows sind Teil des großen Wintertreffens. Das Festival bietet traditionelle Aktivitäten, wie auch Freizeitaktivitäten und Bildungsinhalte. Anscheinend gibt es etwas für jeden Geschmack und jedes Alter. Hier gibt es weitere Infos zum Festival Programm

Wir sind sehr gespannt auf diese bunten Mischungen und auf die Möglichkeiten, in diesen Tagen die Kultur noch näher kennenzulernen.

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Vorbereitungen für die Kunst mit Schnee

Riesengroße gepresste Schneeblöcke sind unser Ausgangsmaterial. Hieraus werden unsere Figuren geschnitzt, gesägt, gefeilt und geschliffen. Der kleinere Block in Edmonton ist „nur“ 10 Ftx10ftx10ft, das ist ein Würfel mit ca 2,45 Seitenlänge. Einige Erfahrung haben wir ja mit Blöcken, die eine Seitenlänge von 3 Meter hatten. So sind wir guter Dinge, dass es an 3 Tagen zu schaffen ist, den „kleinen „ Block zu verwandeln.

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Das Werkzeug für die Schneeskulpturen

Die Idee „Organic space“, von der ich hier noch nicht allzuviel verraten möchtet beinhaltet wiedermal organische Formen, die begehbar sein sollen. Besonders herausfordern dabei ist besonders die Feinheit und den Schwung zu erlangen, die solch organische Formen vorgeben. Dafür brauchen wir das richtige Werkzeug.
Die Herausforderung besteht darin, das geeignetste Werkzeug dafür mit zu bringen, da es vor Ort nur eine Grundausstattung gibt.

Was also tun? Für dieses Kunst Genre gibt es leider noch keine Werkzeuge im Künstlerbedarfsladen, kaum beim Bildhauerbedarf und auch nicht in einem Baumarkt. Es sei denn man funktioniert einige Dinge vom letzteren um. Thomas und ich sind schon eifrig bei der Sache und telefonieren regelmäßig über mögliche Varianten. Schließlich trafen wir usn am vergangenen Wochenende und bauten uns kurzerhand unsere eigenen Tools und kauften ein paar Dinge, die eventuell nützlich sein könnten: Stacheldraht, ein Stück Riffelzaun, wasserfestes Sandpapier, einen Sandpapierhalter. Vergeblich fragten wir nach Nagelblechen, wie sie Zimmermänner verwenden. Werkzeuge aus diesen Blechen finden wir immer wieder bei anderen Schneekünstlern. Und dann entdecken wir Nevillierungsraspeln für Yton und Styropor und kaufen alles gleich paarweise und sehen uns schon in effektiver Raspellei in den ersten 24 Stunden des Symposiums fertig zu werden. Wir flexen, biegen und Schrauben, bis wir ein paar unterschiedliche Werkzeuge beisammen haben, stecken noch eine Ytonsäge, Klappspaten und ähnliches in eine große Tasche und staunen über 15 Kg Gewicht. Da folgt eine weitere Herausforderung: Das Fluggepäck darf nicht mehr als 2×20 Kilogramm wiegen. Das heißt also, wir müssen ein bisschen an den Klamotten sparen und die größten Klamotten gleich mal anziehen.

Ein paar bildliche Eindrücke von dem Vorbereitungswochenende mit Thomas.

Die Idee entsteht nicht nur auf dem Papier, sondern auch als Modell im Maßstab 1:20. Ob ich das mitnehme, ist noch unklar. Wahrscheinlich müssen viele Skizzen und Fotos reichen und ein gutes Auge vor Ort.

Unsere Winterausrüstung – die Kleidung

Unsere persönliche Ausrüstung, das heißt unsere Klamotten müssen wir auch mit Bedacht auswählen. Nicht nur wegen des Gewichtes, sondern auch wegn der Temperaturen und der Arbeitsbedingungen. So kann es sein, dass man bei minus 30 Grad und Wind auf einem 3 Meter hohen Block steht und sägt und schwitzt oder bei minus3 Grad an einem sonnigen Fleckchen raspelt und schleift und auch schwitzt.

Für all das müssen wir gerüstet sein und legten bei der Auswahl zunächst einmal ein Augenmerk auf gutes Schuhwerk.

  • Baffin Stiefel


Wir entschieden uns bewusst für Winterstiefel der Kanadischen Marke Baffin. Leute, die den Winter hier kennen, sollten auch passende Schuhe produzieren. Außerdem sind Baffin Schuhe überall dort anzutreffen, wo Menschen zu den Polen unterwegs sind. Was man bei den fetten Stiefel nicht sieht ist der raffinierte Aufbau. Es gibt 9 Schichten, die ein ausgeklügeltes Feuchtigkeitsmanagment und Wärme garantieren. Es gibt einen Innenschuh, der die Wärme gut hält und Feuchtigkeit nach außen transportiert. Natürlich kann es sein, dass man auch beim Arbeiten bei niedrigen Temperaturen ins Schwitzen kommt. Wenn man funktionelle Socken trägt wird der Schweiß gut wegtransportiert. Gefährlich wäre es, wenn die Feuchtigkeit am Fuß bleibt und kalt wird. Empfohlen werden Woolpowersocken, die wir natürlich in unseren Baffin Stiefeln tragen.

Beim Arbeiten auf der Schneebaustelle, ist auch eine griffige Sohle wichtig. Der Untergrund kann eisig sein und glatt, dafür ist die Sohle aus Arctic Gummi gefertigt. Ich stelle mir das Winterreifen vor, die bei bestimmten Temperaturen besonders griffig sind. Thomas Baffin Stiefel der Control max ist sogar bis minus 70 Grad zu gebrauchen. Der Fuß ist mit Gummi umschlossen und der Schafft ist aus Leder. Sieht ziemlich gut aus. Eine vorsorgliche Pflege mit Snow Seal Wachs soll die Feuchtigkeit draußen halten. Wie mein Icefield Stiefel von Baffin hat er einen Innenschuh, den man rausnehmen kann. Das hat mehrere Vorteile. Nach einem Arbeitstag im Schnee nehmen wir die Innenschuhe heraus und trocknen sie sorgfältig. Angenommen, wir werden die Stiefel viele Jahre benutzen, dann könnte man irgendwann einfach mal nur den Innenschuh ersetzen.

Nach der Kanada Tour werden wir von unseren Erfahrungen mit den Baffin Stiefeln berichten.

  • Arbeitskleider von Blåkläder

Ein neuer Partner im Boot ist die schwedische Marke Blåkläder, die Arbeitssachen herstellt. Wir probieren Handschuhe aus, die Wasserdicht sind und besonders für das Arbeiten mit Werkzeugen gestaltet sind. Wir müssen vor allem mehrere Paar Handschuhe dabei haben, denn wie schnell sind ein Paar mal durchgeschwitzt oder nass vom feuchten Schnee, man weiß ja nie.

  • Buff Schalmützen

Gegen Zugwind am Hals oder als Gesichtsschutz bei Wind benutzen wir Buffs. Auch leichte Mützen sind super, wenn es nicht allzu kalt ist. Schön flexibel, nimmt im Gepäck nicht viel Platz weg.

  • Baselayer aus Wolle von Woolpower

Dann unser Lieblingsbaselayer von Woolpower. Mittlerweile gibt es auch hier eine große Kombinationsbreite, denn unter einer Skihose kann ich sowohl eine woolpower lite Hose tragen, wenn es nicht allzu kalt ist oder die echt dicke Long John in der 400er Qualität, wenn es doch mal minus 30 Grad wird. Genauso sieht es oben rum aus. Ich liebe mein Longsleeve in der 200er Qualität mit einer 200er Strickjacke und im Zweifelsfall noch einer Woolpower Weste drüber. Eine 400er Strickjacke ist auch noch im Gepäck.
Der Vorteil von Funktionskleidung mit hohem Anteil von Merinowolle ist außerdem die geruchshemmende Eigenschaft. Nicht, dass wir im deutschen Snowsculpting Team immer gut riechen müssen, aber man muss sich keine Sorgen machen und mehrere Wechelshirts mitnehmen. Hier können wir also deutlich an Gepäck sparen zugunsten von viel Werkzeug.

 

Während unseres 10 tägigen Trips werden wir versuchen, live vom Ortsgeschehen zu berichten, damit in den sozialen Medien auf Twitter, wie auch instagram die Beiträge schnell aufzufinden sind, verwenden wir den Hashtag

#gosnow2017

Gleichzeitig wollen wir uns bei allen Unterstützern dieser Unternehmung bedanken. Zunächst für die Einladung zum Silverskate Festival in Edmonton und beim Festival du Voyageur in Winnipeg.
Das Deutsche Generalkonsulat in Toronto unterstützt unsere Reise, wie auch die Destination Canada.

Vielen Dank an die Ausrüster, die an uns glauben und unsere Arbeit mit ihren Produkten unterstützen. Blåkläder, Baffin, Buff, Woolpower.

 

 

 

Geertje

Geertje schreibt und fotografiert auf Reisen gerne, um diese intensiven Momente des Lebens festzuhalten. Sie möchte diese wunderbare Welt auch ihren Kindern zeigen und reist deshalb am liebsten als Familie in den Norden. Schön ist es, wenn Bilder und Texte auch andere Familien zum Reisen inspirieren.