Ein Spätsommertag in der finnischen Stadt Porvoo

Es ist volles Programm angesagt, um die zweitälteste Stadt Finnland zu erkunden. Deshalb klingelt der Wecker, damit wir nicht das Frühstück verpassen. Es gibt in der Cafeteria der Schwimmhalle ein Frühstücksbuffet. Für mich ist warmer Porridge mit Früchten genau das richtige. Merle mäkelt etwas herum. Leider wird der Kinderbereich im Schwimmbad gerade renoviert – also keine Rutsche oder sonstige Wasserbespaßung möglich, sonst hätten wir uns vielleicht schon vor dem Frühstück nass gemacht.

Freitag 4.9. 2015 Porvoo

Führung durch die Altstadt in Porvoo

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Eine Stadtführerin wartet aber um neun Uhr an der kleinen Holzbrücke bei Maari auf uns. Maari ist ein kleiner See am Ende der Altstadt. Wir schwingen uns auf die grünen Frösche, so wie wir die Jopo Fahrräder nennen, und radeln von der Jugendherberge 15 Minuten durch die Stadt zum Treffpunkt. Der herbstliche Nebel hängt noch tief in den Gassen und besonders auf dem Wasser des Flusses Porvoo. Die Sonne vertreibt ihn schnell und die Kinder der kleinen Reisegesellschaft fangen an Seifenblasen in die schon märchenhafte Kulisse zu pusten.

 

20150904-DSC_9539Die Stadtführerin erzählt vom alten Hafen hier und klettert mit uns bis zur mittelalterlichen Kirche, die nach Bränden mehrmals wieder aufgebaut wurde. Die Räder schieben wir über das grobteilige Kopfsteinpflaster den Berg hinauf, Merle ächzt. Hier oben war auch damals der Marktplatz, die Kartoffeln sind wohl das ein oder andere Mal die Hügel hinunter zum Hafen gekullert, erzählt die Stadtführerin. Wir schauen auch in die Kirche hinein und entdecken gleich an eienr Säule hoch oben dicht am Gewölbe eine Silhouette eines Einhorns. Mystisch, wie es da oben thront. Und ein Schiffsmodell, wie in vielen Kirchen rund um die Ostsee, hängt im Kirchenraum.

 

 

Shoppen in schiefen Häusern in Porvoo

Schiefe alte und vor allem bunte Holzhäuser reihen sich in den engen Straßen der Altstadt aneinander. Die niedlichen Läden bieten eine Menge historisierende Dekoartikel, aber auch liebevoll zusammengestelltes Kinderspielzeug, wie aus vergangenen Tagen. In einem Laden schnuppern wir dutzende Teesorten, knallbunte Süßigkeiten, besondere Öle und Limonaden. Merle will shoppen und so beginnen wir, hier und da kleine Mitbringsel einzukaufen. Am Ende des Tages ist mein Rucksack voll mit schönem Krimskrams, das wenigste ist wirklich nützlich. Das passiert mir aber auch selten, aber ich genieße das Mädchenhafte herumschlendern und sich treiben lassen in kleinen Läden. Von einem Laden bin ich aber wirklich begeistert. Am Flussufer befindet sich Jokia Design, ein Gemeinschaftsladen verschiedener Designer aus Porvoo und Umgebung. So findet sich von Schmuck und Textilen aus der Reihe Ecomania bis zu Möbeln so einiges handgemachte und schön gestaltete. Unbenutzte Geschirrhandtücher aus der DDR wurden liebevoll mit Tiermotiven bestickt, Ringe aus Silbersteck gefertigt. Wir radeln weiter und der Mittagshunger treibt uns zur Artfactory, wo wir zum Mittagsbuffet verabredet sind. Eine alte Fabrik wurde hier durch neue Gebäudeteile erweitert und renoviert und es ist ein einzigartiges Zentrum für Kultur, Kunst und ansässige Kleinunternehmen geworden. In der Lichtdurchfluteten Cafeteria nehmen wir uns bunte Salate und warmes Essen vom Buffet und ruhen ein bisschen aus, denn vom Umherschlendern sind meine Beine doch ganz schön schlapp, gut, dass wir das Jopo Radel haben. Vor den großen Fenstern ist ein Platz für Kinder, der offensichtlich auch von Kindern gestaltet wurde, ein kunterbuntes Schachspiel und ein faszinierendes Spielhäuschen wie große bepflanzte Kästen und eine kleine Bühne arrangieren sich hier.

In der oberen Etage der Artfabrik beschauen wir aktuelle Kunstwerke. Das sind Keramikskulpturen von Tiina Wallius und verschiedene Bidler und Grafiken zum Verkauf bzw. zur Vermietung. Die Keramik Künstlerin treffen wir auf dem Flur, sie hat nebenan ihr Atelier und lädt uns ein, es zu sehen. Morgen ist eigentlich die Kunstrundan – ein Tag des offenen Ateliers. Tiina Wallius hat die letzten Monate viel für die aktuelle Ausstellung in Keramik gearbeitet und ist jetzt wieder froh kleine sehr farbige Grafiken herzustellen. Zudem lädt sie zu Workshops ein oder unterrichtet Schüler in ihrem Atelier. Bei einem längeren Aufenthalt würde ich auf jeden Fall mal in die Kunstfabrik, um praktisch tätig zu werden.

Apropos praktisch, wie shoppen noch ein bißchen mehr in einem riesigen Laden voller Papier Artikel und Schnick Schnack, im „Tiger“ ist alles super preiswert und vor allem interessant.

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Um Drei finden wir uns am Kai bei der „Frederika“ ein. Das Alte Boot bringt uns ein Stück Flussaufwärts. Merle verbringt die Fahrt mit dem kleinen Pudel Lina neben dem Käptn am Steuer, ich genieße die Aussicht auf die Stadtkulisse mit den bunten Holzhäusern vom Wasser aus. Die Sonne scheint zum Glück noch, der Fahrtwind bläst nur etwas empfindlich kühl. Aber vom Bug des Schiffes mit der prima Sicht kriegt mich keiner so schnell weg.

Krimkrams im alten Bahnhof

Danach will ich eigentlich nur noch auf Bänken herumsitzen und aufs Wasser schauen oder einen Kaffee schlürfen. Mit Aussicht auf ein Eis radeln wir nochmal einen Kilometer Flussaufwärts zur alten Bahnstation. Dort kehren wir aber zunächst aber in einem alten Lager ein, dort gibt es neben Kunst, einer Modelleisenbahn, Dekoartikeln auch Kaffee, Kuchen und Eis. Der Inhaber hat ein interessantes Konzept. Seine Besucher hängen Flyer von seinem Laden in aller Welt an einem zentralen Platz und schicken ein Foto von diesem an ihn im Magasiinipuoti zurück. So hat er eine grosse Ausstellung von Fotos seiner Flyer in der ganzen Welt. Mit einem Eis in der Hand stolpern wir dann noch in das alte Bahnhofsgebäude, das vollgestopft ist mit alten Eisenwaren, Werkzeugen und Baubestandteilen, um alte Häuser zu renovieren. Ein Abenteuerspielplatz.

Pizza Abend in Porvoo

Es ist früher Abend als wir in die Jugendherberge zurück radeln. Dort könnte ich mich eigentlich nur ausruhen und auf dem Bett lang machen, aber in der Küche trifft kommt man doch am großen Küchentisch beim Kaffee ins Quatschen und eh wir es uns versehen ist schon wieder Zeit zum Aufbruch. Pizzaabend in einem Restaurant. Das ist sehr praktisch alle Kinder suchen sich vom Buffet Pizzasorten aus, die sie mögen und verschwinden nach dem Essen in der Spielecke. Mit der Schwedin Annika habe ich gestern im Gemeinschaftsbad mit Zahnbürste im Mund beschlossen, dass ich versuche, mit ihr Schwedisch zu reden und sie ihr Deutsch rauskramt. Dann sitzt mit uns ebenfalls die Deutsch Schwedische Familie von Cutekids am Tisch. Ein wilder Mix aus Englisch, Schwedisch und Deutsch fliegt zwischen Pizzastücken, Apfelschorle und Desserts hin und her. Eigentlich sollte es noch zum Jazzkonzert gehen, aber wohl keiner hat so richtig Muse und Energie dazu. Kultur hatten wir heute zu genügend. Merle meinte auch dass sie die Musik von gestern Abend nicht so gerne mag. Es war Jazz.

Vielen Dank an #travelhouseporvoo, visitfinland und sixt für die Unterstützung

Geertje schreibt und fotografiert auf Reisen gerne, um diese intensiven Momente des Lebens festzuhalten. Sie möchte diese wunderbare Welt auch ihren Kindern zeigen und reist deshalb am liebsten als Familie in den Norden. Schön ist es, wenn Bilder und Texte auch andere Familien zum Reisen inspirieren.

3 Kommentare:

  1. Sieht ja echt toll aus! 🙂

  2. Annika, Har du läser igenom vårt avtal i texten? kul att träffas!

  3. Das habe ich! Dein Blogpost war ja eine gute Chance, mein Deutsch zu üben.

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