Tag 10, Freitag, der 31.12.2010

Stackmora / Autorin: Jan

Wir werden langsamer. Entspannter geht ja kaum. Hier ist wenig los. Einfach nur Wald, Schnee und die Hütte.

Beide lesen wir „Ich bin dann mal Offline“ ein Buch in dem der Autor Todesmutig für 4 Wochen das Internet und sein Handy abschaltet um zu sehen, wie man so lebt, ganz ohne. Am Anfang hat er richtig Entzugerscheinungen. Wir haben jetzt auch schon seit 10 Tagen kein Internet. Es geht. Wir können auch ohne. Ausser natürlich, wenn wir diesen Blog hochladen 😉 Aber zumindest ich vermisse es nicht, ständig online zu sein. Selbst bei meinem Blackberry hab ich die Datenfunktion ausgeschaltet, so dass ich keine Emails erhalte und auch nicht ins Netz gehen kann. Aber ich schlafe ruhiger ohne. Wirklich! Nichts ist blöder als über 1000 km entfernt und ohne Internet Betreffzeilen zu lesen wie: „Merkwürdiger Fehler auf der Seite. Was tun?“ oder „Konferenzschaltung aller Redakteure zu gestrigem Thema“ oder einfach nur „Wichtig“, „Ärgerlich!“, Bitte um RR!“. Mein Abwesenheitsassistent schreibt jedem automatisch zurück, dass ich Emails NICHT lese. So weiß jeder Bescheid.

Nun aber noch zu unseren Aktivitäten. Wir machten erstmal ein Spaziergang durch unser Bullerbü genannt Stockmora. Die Idylle ist kaum zu toppen. Die Sonne scheint. Im tiefen Schnee stehen rote Holzhäuser und auf der Strasse mit festgefahrener Schneedecke kommt uns ein Pferdeschlitten entgegen. So stellt man sich Schweden im Winter vor. Der man im Schlitten (einer von der ganz traditionellen Sorte, alles aus Holz und Leder und Fellen) hält für einen kurzen Schnack kurz an. Geertje kann mit ihm ein schwedisch reden. Ich weiß nicht worum es ging, aber sie sagt  es war Smalltalk über Wetter und das es ungewöhnlich warm wäre. (-4 Grad). Der Mann zieht gut gelaunt seiner Wege.

Ein paar Meter weiter wohnen Detlef und Laurita. Nur Detlef (der alte Waldorfschullehrer, der uns vor zwei Jahren auf der Strasse ansprach und tatsächlich mit unserer ungewöhnlichen Suche nach einem lang vermissten Freund, weiterhelfen konnte) ist da.

Wir setzten uns in die Küche. Er erzählt von seinem Gästestress zwischen den Jahren. Und wir verabreden uns fürs neue Jahr.

Danach fahren wir kurz ins Dorf um etwas besonders für Sylvester zu Essen zu kaufen. Fleisch soll es sein. Eigentlich wohlen wir Elchgrillen, aber Elch ist aus. Jedenfalls zum grillen. Wir kaufen Steaks und versuchen dann noch Feuerwerk aufzutreiben. Keine Sorge, ich kaufe nicht für unsummen Chinaböller. Es geht mehr um die eine sympolische Fontaine oder Rakete. Auch das schaffen wir und sind wie der Wind wieder in unserer Hütte.

Wir feuern den Kamin an. Geniessen die Ruhe. Eine kurze Inspektion der Sauna ergibt. Tür zugefrohren. Was tun. Ich hab eine Idee, hole eine Deospray aus dem Auto, Feuerzeug dazu und schon hat man einen guten Flammenwerfer. Mit dem Rücke ich dem Eis zu leibe. Es funktioniert. Die Tür geht auf. Trotzdem Kinder: Bitte nicht nachmachen!!!

Als Merle eine Hörspiel beginnt zu hören, weil es inzwischen draussen dunkel ist, machen wir einen kleinen Spaziergang.  Kaum zurück erklärt uns Merle, dass sie nun unbedingt eine Schatzsuche machen will. Ich halte sie hin, während Geertje nochmal rausgeht und alles vorbereitet. Als sie zurückkehrt, gehts los. Wo haben die Elfen eine Spur hinterlassen? Merle sucht sich von Kerze im Schnee zu Kerze im Schnee und findet nach einem kleinen Spaziergang durchs Dorf am Ende direkt neben unserer Saunatonne einen kleine Schatz. Kind glücklich.

Ich beginne die Essenszubereitung und bald sitzen wir gemütlich am Abendessenstisch. Merle ist schon soooo Müde. Und noch soviele Stunden bis Mitternacht…keine Chance…Sie schläft ein.

Aber auch ich und Geertje müssen kämpfen. Spielen das Spiel des Jahres 2010 Dixit, dass eigentlich erst mit 3 Spielern funktioniert, nach eigenen Regeln zu zweit, essen Schokofondue und lassen uns dann vor Karmin und TV fallen.

Zehn Minuten vor, wir wären beide fast eingeschlafen raffen wir uns doch noch auf. Ich stampfe eine 2011 in den Schnee, wir verteilen Kerzen drin und dann beginnt es in der Ferne zu Böllern. Frohes Neues. Kuss. Fotos. Feuerwerk und dann wieder in die warme Hütte. Für die Berliner: hier dauert das Böllern von 23:55 bis 0:15. Das wars. Ruhe kehrt wieder ein.

Merle ist wird wach als wir wieder reinkommen. Hat wohl schlecht geträumt. Wir fallen alle in die Betten und 2011 hat begonnnen.

Frohes neues.

Geertje

Geertje schreibt und fotografiert auf Reisen gerne, um diese intensiven Momente des Lebens festzuhalten. Sie möchte diese wunderbare Welt auch ihren Kindern zeigen und reist deshalb am liebsten als Familie in den Norden. Schön ist es, wenn Bilder und Texte auch andere Familien zum Reisen inspirieren.

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