Ferien auf Saltkrokan – Kinder im Glück

Ich glaube, dass die Aufregung über das Neue bei allen verflogen ist und einer Gelassenheit Platz macht, den Tag ganz langsam anzugehen. Die Kinder widmen sich am Morgen ruhigen Beschäftigungen und lassen die Mamas ausschlafen…. Auch daran muss ich mich erst einmal gewöhnen. Wenn ich aus der warmen heimeligen Hütte durch die Bullaugen Fenster nach draußen schaue, sehe ich Schaumkämme auf den kleinen Wellen des Brackwassers und schwankende Baumkronen. Der Wind braust um unsere Hütte. Passionierte Angler gehen mit ihren leuchtorangen Anzügen an Board kleiner weißer Nussschalen mit Heckmotor, der die kleinen Wellenkämme durchbricht. Die Kinder wollen so gerne Boot fahren, aber ein Durchrudern dieses bewegten Gewässers traue ich mir nicht zu. Stattdessen laufen wir selbst wie Wirbelwinde über die glatten Granitsteine, die blonden Haare wehen aus den Kapuzen.

„Die Insel“ zieht die Kinder magisch an. Vom Haus laufen sie durch Moos und etwas Heidekraut auf einen Hügel, jubelnd rennen sie den hinunter, um Anschwung für den Steg zur Insel zu haben, Anlauf für einen Moment, wo sie sich ganz frei fühlen. Sie haben die Insel schon vollkommen in Besitz genommen. Ich versuche hinterherzueilen und die freien Kindergesichter im Foto festzuhalten. Es ist kaum möglich, denn sie fliegen über die glatten Granitsteine von einer markanten Stelle zu anderen, dort ein kleines Wäldchen und hier eine gemütliche Steinmulde, und weiter hinten gibt es einen weiten Ausblick zum anderen Ufer. Immer wieder versammelt sich die Bande, verweilt einen Moment und fliegt dann weiter. Ich sehe sie wie die Hauptfiguren der Kindergeschichten, die auf der imaginären Insel Saltkrokan spielen. Ein Dauerlächeln macht sich deshalb auf meinem Gesicht breit. Alles gut!

Ein Ausflug in die Zivilisation zum Einkaufen  ist gleichzeitig ein Treffen mit alten Freunden: Kalles Tubennahrung, das süssliche Brot der Åland Inseln, gefrorene Preißelbeeren und Blaubeeren, wie auch schwedische Schokolade. Und in diesem typischen Lanthandel gibt es eben alles und ich habe sogar die Chance, unsere Wollvorräte aufzufüllen. So ist unserem Häkeldrang kaum noch eine Grenze gesetzt. Enthusiastisch kehre ich mit zehn vollen Einkaufstüten zurück zu unserer Hütte, in der Hoffnung jetzt wirklich alles zu haben, was wir für die nächsten Tage (und Wochen) hier brauchen. Nur als alle die Tüten auspacken, habe ich das Gefühl, die eine Hälfte vergessen und die andere zu exotisch eingekauft zu haben:
Wo sind die Chips? ( Tuc Kekse gelten nicht), die Abschminkpads sind gar keine. (oh, da kenn ich mich wirklich nicht aus!) und Ihhh, ich mag keine Nüsse in der Schokolade! (mmmh dazu kennen wir uns vielleicht doch zu wenig)

Der Kamin ist schon längst im Gange. Und das Abendprogramm nimmt seinen Lauf. Dass es schon Abendbrotzeit sein muss, merken wir daran, dass die Kinder abwechseln zum Kühlschrank laufen und sich Leckereien stiebitzen.

Nordlichter auf den Åland Inseln

So richten wir den halben Lachs an, immerhin fast anderthalb Kilo, der im Ofen schmort während wir noch schnell ein paar Saunaaufgüsse absolvieren – dank Einkauf mit Zitronenduft. Während der Rest der Manschaft den Film des Tages von der Festplatte schaut, ziehen mich die schwachen Nordlichter nach draußen. Die Nordlicht App sagt mit eine Stärke von KP4 voraus. Mit Headlight taste ich mich im Dustern auf die Insel vor und jage erfolgreich ein paar grünliche Nordlichter. Glückliche Geertje.
Bis jetzt war ich es gewohnt, auf so eine Jagd warm eingepackt zu gehen – jetzt weht ein milder Wind und ich brauche noch nicht mal eine Jacke, wie luxeriös. Im Foto sehe ich sogar, dass sich der grüne Schein im Brackwasser spiegelt. Auch ein Vorteil vom Jagen der Nordlichter im Herbst, wenn die Gewässer noch nicht zugefroren sind.

Gastautorin Barbara mit ihrer Sicht auf den Tag:

Die Einkaufs-Geertje kehrt zurück. Juchhu! Und so viele Tüten! Die Freude ist groß und weicht herber Enttäuschung. So viel falsch auf so engem Raum ist eine Kunst: Schoko mit Nüssen! Keine Chips! Stattdessen Kaviar in Tuben! Und Schock schwere Not: Wattepads statt Augenmakeupentfernerpads! Liebe Geertje, zur Strafe bekommst du von mir ein Powerschminken-Einführungsseminar und ich hüpfe dir in diesem Urlaub ungeschminkt durch deine Fotos!

Wie so oft im Leben fühlt es sich gleichzeitig aber auch spannend für mich an: Raus aus der Komfortzone, aus dem Gewohnten, rein in neue Erfahrungen. Ich nehme mir die Krabben- und Kaviar-Paste vor, meine Kinder versuchen es mit dem Lachs. Henri ist begeistert, Friede weniger. Dafür liebt sie es seit gestern Abend, in die Sauna zu gehen. Und so ist alles gut so wie es ist! Die liebe Einkaufs-Geertje wird trotzdem gefeiert. Sie trägt heute ihr seliges Nordlichterlächeln im Gesicht.

 

Geertje

Geertje schreibt und fotografiert auf Reisen gerne, um diese intensiven Momente des Lebens festzuhalten. Sie möchte diese wunderbare Welt auch ihren Kindern zeigen und reist deshalb am liebsten als Familie in den Norden. Schön ist es, wenn Bilder und Texte auch andere Familien zum Reisen inspirieren.

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