Hundeschlittentour und Iglu Übernachtung

Es ist Zeitumstellung und schon eine Stunde später als gefühlt. Ich bin verunsichert, hat sich mein Handy schon selbst umgestellt? Ist es um sieben oder um acht oder wie spät? Ich brauche ein bisschen und will nicht aufstehen. Ich checke auf meiner Kamera noch im Bett liegend die Nordlichtbilder der vergangenen Nacht. Sie sind besser, als ich sie in Erinnerung hatte.

Ich trödel zum Frühstück in den Frühstücksraum der Laplandlodge und werde dort mit einer  schlechten Nachricht empfangen. Ich kann wohl nicht, wie gedacht mit Manfred heute zum Ausflug nach Arjeplog mitfahren. Kurz denke ich, oh je, gibt es denn hier noch irgendwas interessantes zu tun?

Aber gleich darauf sagte Jürgen: Du kannst leider nicht mit Manfred mitfahren, weil du mit einer anderen Gruppe mitfährst und im IGLOOTEL übernachten kannst.“ Wow, meine Augen wurden immer größer und ich freute mich außerordentlich!

Ein paar Sachen zusammenpacken und wie auf heißen Kohlen sitzen. Ich bin gespannt. Mit Rainer Dreher, einem der zwei Chefs der Fly Car Group und ein paar Eishockey Enthusiasten, die gerade aus Skellefteå von einem wichtigen Spiel kommen, fahre ich in einem Minibus von Arvidsjaur aus ein Stündchen durch die verschneite Landschaft nach Arjeplog. Das ist das eigentliche Zentrum der Automobilindustrie. Noch mehr Eis Tracks, noch mehr schicke Flitzer als in Arvidsjaur.

Hundeschlittentour mit „Cold Nose Huskies“

Wir kommen im Hotel Kraja an. Im Namen steckt ‚Feel like home‘. Wie schön. Es steht gleich neben dem IGLOOTEL, das in diesem Jahr zum zweiten Mal errichtet wurde. Lunchpakete stärken uns für die Hundeschlittentour. Im Polariscenter bekommen wir noch Overalls, Skibrille und Handschuhe. Es ist eigentlich nicht kalt, aber ein bisschen windig. Lars Hoffmann und seine Freundin Malin erwarten uns mit zwei Schlitten ihren cold-nose-huskies. Acht Hunde ziehen einen Schlitten. An ihrem geparkten Auto sehe ich ein MST Kennzeichen. Gleich neuer Redestoff.

Junge Leute, die ihren Traum hier oben wahr machen und die nächsten drei Jahre für das längste Hundeschlittenrennen der Welt in Alaska trainieren. Ich sitze alleine auf Malins schlitten und wir gleiten in die stille Landschaft entlang eines mit roten Kreuzen markierten Scooterweges. Hier sind heute zum Glück keine Maschinen unterwegs.

Es schneit und neben uns fließt der Skellefteå Älven, der hier nicht zugefroren ist. Malin lernt Deutsch, ich Schwedisch, in dem jeder in seiner Sprache spricht. Ich bewundere die zarte junge Frau, die so gelassen und liebevoll mit ihren Hunden umgeht. Wenn ich sie so beobachte, bin ich mir sicher, dass sie gute Gefährten in Alaska sein werden.

Nach zwei Stunden sind wir wieder am Ausgangspunkt.

 

Der Gegenwind auf der Rücktour ließ meine Gesichtshaut etwas zwicken. Die Skibrille hat aber den größten Teil geschützt.

Im Kraja wärmen wir uns auf und ich habe Gelegenheit, mehr über fly-car und das IGLOOTEL zu erfahren. Hotels sind hier während des Winters vollkommen von der Autoindustrie in Beschlag genommen. Es kommen aber auch mehr und mehr Touristen, die an motorisierten Themen im Schnee Interesse finden wie zum Beispiel Icedrifting und Snowmobiling.

Abendesse im Kraja á la carte

Auf der Karte stehen Elch Steak, Reh, Lachs, Röding (Saibling). Ich kann mich schwer entscheiden, zumal mir ganz klar ist, dass man die regionalen Dinge in der Qualität zu Hause nicht bekommt. Der Röding (Saibling)wird mit Kartoffelpüree und dünnen Scheiben von Möhren und Kohl serviert.

Draußen ist es dicht bewölkt. Wenn ich aus dem Restaurantfenster schaue, ,erlischt alle Hoffnung auf Nordlichtshow trotz KP 5 heute Abend. Aber ich schätze mich schon sehr glücklich, sie gestern fotografiert zu haben.

Das Iglootel in Arjeplog

Die Führung im Iglootel

Ganz unscheinbar liegt der Eingang, eine einfache Holztür neben der ‚Sommerrezeption‘ in einem Schneehaufen. Dahinter eröffnet sich eine neue Welt aus buntem Licht und viel Schnee. Der Boden ist mit Brettern belegt, das macht eine warme Atmosphäre und es riecht gut nach Holz. Über mir wölben sich die verschieden hohen Igludecken. Zentrum der Iglu Anlage ist die Bar. Das große Logo prangt an der Wand. Hier kann man verschiedene Getränke aus Eisgläsern aber auch schön warm süßen Glögg aus Plastikbechern genießen.

Classe, Marketingmanager der Silver Resorts, zu denen das Kraja gehört, erzählt, dass er gerne mehr Outdoorevents, Natur Pädagogik uä. hier anbieten möchten. Tolle Aussichten für Familien.

„Silverresorts“ heißt der Zusammenschluss mehrer großer Hotels, da hier lange Zeit Silber gefördert wurde. Es sind die verschiedensten Unterkünfte zu finden von Hütten bis Luxus Apartment.

Während der Iglootel Führung schlendern wir durch die Flure, die mit einigen Gadgets bestückt sind. Ein Bodenscreen knirscht, als würde man über Packeis gehen und das Lichtleitsystem erinnert an Pflanzenstengel. Studenten der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg haben die Iglus gestaltet.  In den Schlafiglus liegen immer sechs Matratzen in ein Podest eingelassen mit Rentierfellen belegt. Indirektes Licht, elektrische Kerzen und ein durchleuchteter Eisblock bieten die Möglichkeit, die Lichtsituationen zu variieren. Das werde ich später noch ausprobieren. Die Strukturen in den Wänden sind mikroskopische Ausschnitte vorkommender Bodenschätze und Pflanzen. Eine gute Gestaltungsidee, wie ich finde. An einigen Stellen hätten die Element noch dazugewonnen, wenn die Schneequalität besser gewesen wär. Ich entdecke an vielen Stellen Gras und Steine, graue Stellen und löchrige Abschnitte. In diesem Jahr wurde das Iglootel erst zum zweiten Mal gebaut und es gibt sicher noch viel auszuprobieren und zu perfektionieren.

Snowsculpting im Iglootel

Nachdem ich neben Classe schon eine Weile in der Bar gestanden hatte, passierte das unglaubliche. Er trug die gesamte Zeit einen breiten Ledergürtel mit einem samischen Messer in der Hand. Als ich fragte, was es damit auf sich hat, sagte er, dass es ein sehr persönliches Objekt ist, gemacht von Thomas Nutti, der nur alle zehn Jahre mal ein Messer macht und er würde es mir gerne für heute Abend zum Eisschnitzen überlassen. Ich bin so berührt, während er mir den Gürtel mit dem Messer anlegte, dass mir fast die Tränen kommen.

Ich hoffe, in die Schneewände zu schnitzen , ist einfacher als in Eis und suche mit Daniel Knab eine geeignete Stelle in der Bar aus. So ein samisches Messer ist zwar nicht das ideale Bildhauerwerkzeug, aber es ist sauscharf.  Ich schnitze die Rückseite einer kleinen Bühne in der Bar eine kleine organische Ranke in die Schneewand. Hier verändert sich das farbige LED Licht andauernd. Das ist ein bisschen anstrengend zum Arbeiten.

Ich wage mich dann aber auch vor und gehe über zur Eiswand aus Eisblöcken. Nebenbei schlürfe ich süßen warmen Glögg. Dann steht aber noch arctic Spa auf dem Programm und ich beende meine Arbeit.

Arctic Spa und Iglu Übernachtung im Iglootel

Iglootel Arjeplog

Iglootel Arjeplog

Draußen sind in drei halboffenen Iglus Whirlpools in den Boden eingelassen und eine Holzbefeuerte Sauna nebenan. Nadin und ich besetzen den einen Pool mit einer Flasche Wein, die Männer mit einer Kiste Bier den anderen. Wir haben Mützen auf, weil es immer noch schneit. Aber darunter wird uns bald zu warm. Schneeflocken tanzen über unseren Köpfen und überall liegt weicher frischer Neuschnee. Nach der Sauna lasse ich mich dahinein fallen. Wir verlieren das Zeitgefühl und denken nur, dass man noch ewig hier rumlümmeln könnte. Aber die Nacht im Iglu wollte ich ja auch noch genießen. Ich bin so durchgewärmt, dass mir kein Gedanke an nächtliches Frieren kommt.

Schlafsack und Fleece Inlett in der richtigen Größe auswählen und freies Iglu beziehen. Holztür mit Strick verriegeln und alle möglichen Lichtdesigns durchspielen.

Ich ziehe mir die Schlafsack Kapuze tief ins Gesicht, nur die Nasenspitze guckt noch raus und spürt die Minusgrade. Der Atem kondensiert an der Schlafsackhülle und dann ist es dort kalt feucht. Ich trage eine Mütze, denn die meiste Wärme geht ja über den Kopf verloren. Nur einmal muss ich nachts raus und schlafe sonst tief und fest bis kurz nach acht in der Kälte.

Frühstück im Kraja mit Lachs, Ei und Brötchen oder Lachseibrötchen? Natürlich fragt jeder jeden in der Runde, wie die Nacht in der Kälte war. Einer in der Runde hätte beinahe verschlafen. Alle sind glücklich über das bestandene Abenteuer. Auf der Rückfahrt nach Arvidsjaur kommt die Sonne raus und der Schnee reflektiert das viele Licht. Wir sind zügig unterwegs, denn der Rückflug mit Fly-car geht um eins. Nach einer vorsichtigen Frage, ob wir noch beim „Frostis“ halten können, stoppen wir auch schon beim „Shopping Paradies“. Ich kaufe getrocknetes Rentierfleisch, Kaffeekäse und schließlich mein erstes samisches Messer. Dann sind wir schon gleich am Flughafen mit einem Gate und steigen mit einer Menge Japaner und AMG Leuten von der Driving Academy ins Flugzeug. 3 Stunden bis Stuttgart.

Diese Charterflüge gehen leider nur zwischen Schwedisch Lappland, Hannover und Stuttgart hin und her, eben wegen der Automobilindustrie, die da sitzt. Ideal wäre es ja für uns, wenn solche Flüge ab Berlin gingen. So habe ich immer noch einen genauso langen Anfahrtsweg als würde ich von Berlin und dann Stockholm in die Richtung fliegen.

Vielen Dank für die Einladung zu der Reise an Fly-car, Laplandlodge und Iglootel.

Über die Erlebnisse dort ist in der Online-Reisezeitung FineArtReisen ein ausführlicher Artikel erschienen.

Geertje

Geertje schreibt und fotografiert auf Reisen gerne, um diese intensiven Momente des Lebens festzuhalten. Sie möchte diese wunderbare Welt auch ihren Kindern zeigen und reist deshalb am liebsten als Familie in den Norden. Schön ist es, wenn Bilder und Texte auch andere Familien zum Reisen inspirieren.

Ein Kommentar:

  1. Wie toll. Sieht nach einer einmaligen Erfahrung aus 🙂

    Viele Grüße,

    Sabrina von todayis.de

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