Im Norden Nova Scotias mit dem Camper unterwegs

Freitag 18.7. Richtung Amherst.

Am nächsten Tag sieht die Welt schon ganz anders aus. Die Sonne scheint. Wir beschließen nach dem Frühstück die Wattwanderung von gestern zu wiederholen.  Diesmal aber entspannter, weil die Ebbe gerade auf ihren Höhe- bzw. Ihren niedrigsten Punkt zugeht. Außerdem sind alle ausgeruht und es ist Foto-Wetter. Albert und seine Frau begleiten uns und so ist eine fröhliche Truppe unterwegs, sich die Füße mit roten Schlick zu bedecken und fantastische Felsformationen zu beklettern und zu bewundern. Aber erstmal ist es ein großer Spaß, Morten durch das Watt rennen zu sehen. Auch wenn wir ihm danach mit samt Klamotten komplett reinigen müssen. Er freut sich so über die weiche warme Masse, über die er scheinbar bis zum Horizont rennen kann. Als wir dann jedoch einige Krebse entdecken, gilt diesen natürlich die Aufmerksamkeit. Merle findet dagegen das Beklettern der Felsen und das Entdecken von Halbedelsteinen interessanter.

Bay of fundy

Bay of fundy

Nachdem die Kinder noch einen Schatz (zwei Lollis) gefunden haben, geht es auf den Rückweg, bei dem es Geertje irgendwie gelingt, sich den Zeigezeh (also der neben dem Großen) am rechten Fuß zu brechen, indem sie unglücklich gegen einen Stein unterm Schlick tritt.  Dass mir dem gebrochen wagen wir uns mal so zu behaupten ohne ihn geröntgt zu haben. Fotobeweis folgt. Da meine Frau hart im nehmen ist, erfahr ich das erst Stunden später, denn in dem Moment macht sie kaum Aufhebens darüber. Nämlich erst bei Mo’s.

Auch ein kleiner Höhepunkt unserer Reisen ist es,  solche Orte zu finden, in den unsere  Bedürfnisse so umfassend  in gemütlicher Atmosphäre gestillt werden. Mo’s schwarzen Kaffee inkl. Refill, Internet, Kunstwerke an den Wänden und auf den Fensterbänken, eine kleine Bibliothek, letzteres beides mehr für die Atmo. Außerdem gibts hier einen echten Steinofen für Pizza und nette Bedienung. Ach und Spielsachen für die Kinder. Kurz, wir verweilen dort 5 -in Worten fünf- Stunden. Zugegen wir müssen auch etwas arbeiten. Aber alle fühlen sich dort so wohl, dass wir keine Eile haben aufzubrechen.

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Zugegeben. Am Ende entsteht doch Aufbruchshektik, weil ich, um sicher zu gehen, nochmal am Campingplatz unseres nächsten Ziels angerufen habe, und sich dabei rausstellte, dass die Kollegin vom Five Island Park nur die Kapazitäten (vor fünf Stunden abgefragt aber keine Reservierung in unserem Namen getätigt hat.). Es ist Wochenende. Da angeblich mehr als 10 Prozent aller Einwohner in diesem Land einen Camper ihr eigenen nennen, ist dieser die Alternative zum Schrebergarten oder dem Cottage auf dem Lande (übirgens oft auch bei der entsprechenden Klientel besonders auf den Autobahnnahen Privatbetrieben) man trifft sich aus dem Umkreis von max 50 km und verbringt mit einem fahrbaren Einfamilienhaus das Wochenende dicht an dicht an dicht mit gleichgesinnten. Schön für die Einheimischen, nix für mich. Zuviele Menschen auf zu kleinem Raum.

Zurück zu unseren nächsten Ziel. Um nicht 80 Kilometer Umweg  (40km von Amherst zur Shore hin und wieder zurück) zu fahren, um festzustellen, dass sie voll sind, was wir schon wussten, am Telefon war von einer Chance im Overflow die Rede, beschlossen wir unser Glück kurz vor Amherst am Loch Lomond Campground zu versuchen, in einigermaßen guter Nähe zu unserem morgigen Zwischenziel, die Joggin Cliff. Tatsächlich waren sie dort ausgebucht, aber wenn wir auf Strom und fließend Wasser verzichten würden, können wir noch auf dem Zeltplatz stehen. Der war leer?!?! Zelten ist etwas für verrückte Ausländer und arme Schlucker wie es scheint. Die Motorhome Camper standen jedenfalls auf dem Rest des Platzes in Armlänge auseinander.  Nicht meine Welt.

Interessanterweise befindet sich genau gegenüber des Campingplatzes das örtliche Hospital. Geertje beschließt, mal kurz rüber zu gehen wegen ihres Fußes. Ich dachte, sie ist jetzt erstmal zwei Stunden weg, aber nach nur 20 Minuten ist sie wieder da.

Um überhaupt einen Arzt zu Gesicht zubekommen wären 750 $ Aufnahmegebühr und 150 $ Arzt Gebühr fällig gewesen sagte man ihr. Ggf. Röntgen etc. nicht inkludiert. Ich spare mir ihr meine Meinung zu so einem Gesundheitssystem zum Ausdruck zu bringen. Das kann sich jeder denken. Ich muss nur kurz daran denken, dass Länder, wie die USA oder Kanada bestimmt gut für Langzeitstudien für unbehandelte Krankheiten sind. Denn genau das macht Geertje dann auch, sie will nicht 1000$ in Vorleistung gehen (obwohl wir meiner Meinung nach hinreichend versichert sind Tk plus Zusatzvers.) sondern sieht ein Risiko das Geld nicht erstattet zu bekommen und lässt die Sache bleiben. Warscheinlich hätten die Ärzte auch nur gesagt, schonen sie sich und kühlen sie den Zeh regelmäßig. Weil eingipsen würde man den kleine zweiten  Zeh wohl kaum. Naja, Warscheinlich/hoffentlich.

Die Kinder haben inzwischen Freundschaft mit einem Jungen namens Hunter geschlossen, der nicht nur ein ferngesteuertes Auto sondern auch eine Plastikpistole hat, was Morten beides faszinierend findet. Auch wenn Hunter sie ihm schenken will, wir überzeugen ihn, das das nicht sein muss.

Unter Flutlicht, auch so ein verhasstes Phänomen das ich schon öfter auf Campingplätzen beobachtet habe, gehen wir zu Bett, wobei Geertje sich mal im Zelt ausstrecken will. Unter einem heftigen Mückenangriff -übrigens der erste den wir hier erleben- baut sie das Zelt auf. Die Frau ist echt krass.  Man bin ich froh in den Camper gehen zu können.

Diese Reise wird unterstützt durch die Destinationen Nova Scotia, Labrador&Newfoundland, wie Explore Canada und dem Reiseveranstalter Fasten your Seatbelt, wie auch Fraserway. Vielen Dank dafür.

Geertje schreibt und fotografiert auf Reisen gerne, um diese intensiven Momente des Lebens festzuhalten. Sie möchte diese wunderbare Welt auch ihren Kindern zeigen und reist deshalb am liebsten als Familie in den Norden. Schön ist es, wenn Bilder und Texte auch andere Familien zum Reisen inspirieren.

Ein Kommentar:

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