Nach plattem Rad Wandern mit Kindern in Finnland

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Donnerstag 23.7.2015, Nellim

Unverhoffte Wendung

20150723-DSC_5309Die Blockhausbauer fangen hier pünktlich an zu arbeiten. Es ist schließlich ein kurzer Sommer. Für den Winter soll hier eine kleine Welt aus dem Boden gestampft werden. Apropos Sommer und Winter, die Leute hier warten sehnsüchtig auf den Sommer. Was für uns einigermaßen angenehm ist ist, empfinden sie nach dem letzten Sommer als zu kühl und können sich noch nicht mal erinnern, wann es das letzte mal so kalt im Sommer war. Uns paßt das!
Ich schwinge mich um acht aus dem Bett, ein Mentainence Guy vom Hotel soll uns mit dem Reifen helfen. Ich finde niemanden, werde auf um neun vertröstet. Dann kommt Mikael, der Mc Guyver des Nordens. Laut Hotelchef kann er ein Snowmobil im Dunkeln bei minus 50 Grad reparieren.  Das ist vertauenserweckend. Ein Spezialwerkzeugset zum Spreizen und Stopfen von Löchern nebst einer Spraydose Glue ist sein Begleiter. Er meint, wir sollten kurz vorm Losfahren nochmal Bescheid sagen, dann pumpen wir nochmal auf und dann wird’s schon gehen.

Also Frühstückessen, Autopacken. Jan pumpt nochmal mit dem Minikompressor und dem Kleber und entdeckt die Stelle, wo es raussprötzelt. Wir bitten Mc Guyver um Rat. Er popelt rum und das, was das Loch verursacht hat, wird raus oder reingepopelt jedenfalls ist das Loch jetzt offen, die Luft ganz raus.

Rad muss ab und geflickt werden. Es ist noch nicht mal ein Wagenheber im Auto, was wir nach erneutem Leerräumen erst bemerken. Mac Guyver müht sich ab mit Spreiz- und Stopfwerkzeugen nebst Gummistöpseln, das Loch zu verschließen, Vier Stück stecken schon drin, doch der Reifen wölbt sich an der Stelle nach außen. Es hilft nichts, Jan muss das ganze Rad nach Ivalo bringen, dass es repariert oder ersetzt wird. Die Telefongespräche mit Hertz ergeben, dass wir alle Kosten erst einmal vorstecken sollen, wir bekommen alles in Kiruna bei Hertz wieder. Ich vertraue darauf.

Jan fährt mit dem Vater des Hotelchefs nach Ivalo – es wird ca. drei Stunden dauern.

Er berichtet später.

Wandern mit Kindern zum Aussichtspunkt über finnische Landschaft

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Genau die richtige Zeit für mich und die Kinder eine kleine Wanderung anzugehen. Drei Kilometer zu einem Aussichtspunkt auf den Berg. Jippie. Schnell ist ein kleiner Proviant Rucksack gepackt und wir stiefeln los.

Durch Permafrostlandschaft, Wollgras und Matsch

20150723-DSC_5390Die Kinder sind gut gelaunt, es werden Wanderstöcke gesucht und wir laufen durch offenen Kiefern- und Birkenbestand über wacklige Bretterkonstruktionen, um nicht im Matsch zu versinken. Am besten halten wir nicht an, weil sich sonst Mücken zum Picknick auf uns niederlassen. Zwei Frauen mit Hund kommen uns entgegen und berichten, dass es noch einen Kilometer weit ist, der aber ganz schön bergauf geht. Wir kraxeln uns durch den jetzt dichten Wald den schmalen Schlängelpfad hinauf. Morten braucht eine kleine Motivation und sprintet dann als erster vor und „sammelt“ die Wegweiserpfähle.

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Schließlich kommen wir oben an. Immer noch umgeben uns dünne Bäumchen, aber ein kleiner Findling lädt dazu ein noch einen Meter höher die Aussicht zu genießen. Wir entfachen ein Minifeuer in einer vorhandenen Feuerstelle. Gesundes Picknick und die erhofften Süßigkeiten werden verspeist. Eine neue Entdeckung: Die kleinen Zimtkringel Gifflar schmecken gegrillt super gut. Als nach einer halben Stunde alles aufgegessen und auch alle einigermaßen erholt sind, laufen wir wieder hinunter. Ich befürchtete, dass Morten schnell müde würde, er war aber der erste und hat einen enormen Schwung drauf, bis wir fast am Ende des Weges an eine Holzbrücke kamen, an der zwei Borkenboote festgebunden waren, die zum Spielen einladen. Da bekomme ich ihn fast nicht mehr weg.

Als wir fast zur vereinbarten Zeit wieder am Hotel sind, ist auch Jan zurück und begrüßt uns schon aus unserem Apartment. Das heißt wohl, dass wir noch eine Nacht bleiben und er keinen reparierten Reifen mitgebracht hat. So ist es. Wir richten und auf einen gemütlichen Tag im Wildness Hotel ein.  Fazit: Wandern mit Kindern macht froh, geschafft und ein bisschen stolz.

In der Lobby lümmeln wir in Ledersesseln bei Fernsehen, Internet und Kaffee. Dazu gesellen sich einige einheimische Kinder. Eine Mama erzählt uns, sie sei hier zur Schule gegangen. Das Gebäude, wo wir uns gerade befinden, war die Mensa, das Wohngebäude mit unserem Apartment war das Haus mit den Klassenzimmern, ein weiteres Gebäude die Sporthalle. Wie interessant. Weitere Erzählungen machen uns noch mehr Lust, die russische Grenze in zehn Kilometer Entfernung zu besichtigen. Die Straße ist einfach mal zu Ende und man kann ein paar russische Wachposten sehen. Exotisch, die Vorstellung.

Wir beschließen noch, zum Feuer Shelter runter zum Wasser zu gehen und uns etwas einzuräuchern.

In unserem schönen Apartment können wir uns dann ganz mit dem Abendessen verausgaben. Das heißt Jan, der Ferienkoch, kreiert ein Menü aus neuen Einkäufen.

Wir schmeißen die Sauna an und stellen fest, die Kinder kommen jeden Tag später ins Bett.

Morgen soll uns der neue Reifen gebracht werden – ich bin gespannt.

Dieser Roadtrip wird unterstützt von der Destination Schwedisch Lappland und der Autovermietung Hertz. Gegen Mücken schützt uns Kleidung von Craghoppers mit der Serie nosilife. Vielen Dank an die Region Inari Saariselkä für Unterkunft und Aktivitäten. Besonders toll ist die Unterstützung hier im Wilderness Hotel bezüglich unseres Platten.

Geertje

Geertje schreibt und fotografiert auf Reisen gerne, um diese intensiven Momente des Lebens festzuhalten. Sie möchte diese wunderbare Welt auch ihren Kindern zeigen und reist deshalb am liebsten als Familie in den Norden. Schön ist es, wenn Bilder und Texte auch andere Familien zum Reisen inspirieren.

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