Snowcarving beim Festival du Voyageur in Winnipeg – zum dritten Mal

Im Osten Kanadas konnten wir auch 2019 schon einmal den richtigen Winter kosten, jetzt soll es beim Snowcarving beim Festival du Voyageur in Winnipeg weitergehen.

Es gibt wie auch in den vergangenen 30 Jahren ein Symposium für Schneeskulpturen in Winnipeg, zu dem ich glücklicherweise schon zum dritten Mal eingeladen bin.
Jedoch ganz von vorne: Mit meiner kanadischen Freundin reise ich von Quebec nach Winnipeg und ziehe für eine Woche in das Fairmont Hotel im Zentrum der Provinzhauptstadt Manitobas.
Die Entfernungen innerhalb Kanadas sind doch enorm. Zwei Stunden Flug nach Montreal und anderthalb nach Winnipeg, das sind mehrere tausend Kilometer, die schwer mit dem Auto zu bewältigen wären. So sind wir froh, am späten Abend hier zu landen.

Snowcarving beim Festival du Voyageur in Winnipeg

Vor dem Symposium Snowcarving beim Festival du Voyageur in Winnipeg

Am folgenden Mittwoch steht noch keine Schneearbeit für mich an. Carole muss zur Arbeit und ich bin schon lange neugierig darauf, die Eisbühne am Flußufer des Red River zu sehen. Vor einigen Wochen gab es hier ein Konzert des norwegischen Künstlers Terje Isungset, der auf Eisinstrumenten spielte.

Ich mache mich also nach einem kleinen Frühstückssnack auf und laufe 20 Minuten durch die Stadt zu einem Ort, der „The Forks“ heißt. Hier leihe ich Schlittschuhe, es sind nicht gerade Langlaufschlittschuhe, sondern klumpige Eishockeyschuhe. Mit ihnen stolpere ich ein paar schwarze Gummimatten Treppen hinunter zum Flußufer. Dann stehe ich auf einem gut präparierten Eispfad, der acht Kilometer den Fluss entlang führt. Ein kleines Areal ist hier unten mit einer temporären Überdachung aus orangem Stoff ausgestattet, darunter eine Bühne aus Eis und Schnee wie einige Bänke aus Eis und Holz. Das muss eine tolle Atmosphäre sein, angeblich waren es bei dem Konzert weniger als minus 30 Grad.

Snowcarving beim Festival du Voyageur in Winnipeg

Red River Mutual Trail mit Warming huts in Winnipeg

Ich gleite mit den Schlittschuhe den 4 Meter breiten gut präparierten Weg entlang. Neben mir gibt es noch einen Fußgängerweg mit Schnee. Am Rande stehen in weiten Abständen Installationen. Die „Warming huts“ stammen von Architekturbüros und Künstlern, die nach einem Wettbewerb zur Realisierung ausgewählt wurden. Interessante und manchmal nicht ganz wärmende Hütten.

Ich komme ein bisschen außer Atmen, der in kleinen Rauchwolken aus meinem Schal quillt, es sind nämlich ungefähr minus 20 Grad. Es sind zwar einige Bänke am Wegesrand verstreut, aber ein wenig frisch ist es schon. Sie taugen lediglich dafür, die Schnürsenkel nachzuziehen.

Schlittschuhlaufen auf dem Fluss in Winnipeg

Nach 10 Kilometern schmerzen meine Füße einigermaßen und ich bin froh als ich wieder meine dicken Winterstiefel an den Füßen habe. Ich setze mich gemütlich in die Passagen von „The Forks“ trinke Kaffee und esse einen Happen.
Um die Souvenirgeschäfte komme ich auch nicht herum. Als ich mit Stöbern fertig bin, wandere ich zurück ins Stadtzentrum zum Hotel.

Ausstellung Snowcarving beim Festival du Voyageur in Winnipeg

Ich mache mich fertig zur Eröffnungsveranstaltung für das Symposium, Gleichzeitig ist es eine Vernissage einer Ausstellung über 30 Jahre Snowsculpting in Winnipeg. Ich bin viel zu früh und unterhalte mich mit dem Bartender und kann in Ruhe alle Bildunterschriften studieren. Erstaunlich, wie vor 30 Jahren die Skulpturen aus Schneeslush entstanden sind. Roger Frenier ein bekannter Künstler aus Winnipeg hat die Ausstellung kuratiert und mit vielen alten Hasen das Material der letzten 30 Jahre zusammengetragen.

Langsam trudeln alle internationalen und lokalen Künstler ein. Es ist so wunderbar, viele bekannte Gesichter wieder zu sehen. Ich fühle mich sehr willkommen und es ist sofort eine warme herzliche Atmosphäre zwischen uns allen, als hätten wir uns gerade erst Adieu gesagt.

Ich stelle kurz unser Projekt vor und darf einen Zettel aus einer Box ziehen, die Lucky 7 verrät uns, welchen Block wir morgen bearbeiten dürfen.

Zeitig genug schlüpfe ich in mein Hotelbett, um am nächsten Tag erfrischt meine Arbeit zu beginnen.
Es ist so ein Luxus, eine Woche lang so ein breites Bett, den Blick aus dem 17. Stock des Hotels und die Poollandschaft im 21. Stockwerk zu genießen.

Snowcarving beim Festival du Voyageur in Winnipeg – Symposiumsbeginn

Im Hotelfoyer warten schon kurz vor Acht unsere Fahrer, sie sind Volontäre, die die Künstler durch die Gegend fahren und vom Flughafen abholen.

Sie bringen die versammelte Schar mit ihren Taschen voller Werkzeug zum Festivalgelände, bzw. zum Kinsmen Club, wo wir frühstücken.

Als ich dann den großen Schneeblock auf dem Gelände erblicke, hüpft mein Herz vor Freude, denn der Schnee ist rein weiß. Hier ist der „Würfel“ 3 Meter hoch und hat 3,50 Meter Seitenlänge.

Er befindet sich ungefähr an derselben Position wie im vergangenen Jahr unser Doppelblockprojekt mit dem Team Ontario.

Neben Carole Dagenais ist Jodine Leigh ein neues Teammitglied. Sie ist ebenfalls sehr erfahren und wohnt in Winnipeg. Ich freue mich sehr, dass der Traum von einem „Powerfrauen Team“ Wirklichkeit geworden ist.

Mit Jodine beginne ich meinen Entwurf „Fruits of Joy and creativity“ am Block zu skizzieren.

Die Früchte sollen natürlich keine realen Früchte sein. Von ihrer Grundform könnten sie jedoch an Canatloupe Stückchen erinnern. Jedenfalls nach meinem Modell, was ich zu Hause vorbereitet habe. Das Ensemble an Stückchen stelle ich erst mit den anderen so final zusammen. Um noch konkreter zu werden, kaufen wir eine Cantaloupe Melone und schneiden sie in Stückchen.

Einige grobe Formen werden am Kubus angezeichnet und wie auch schon bei der voreherigen Skulptur in Saint Jean st. Port Jolie wird eine Menge Schnee vom Grundkörper weggeschnitten, abgehackt und weggeschippt. In diesen ersten Tagen komme ich immer ordentlich ins Schwitzen. Der gesamte Bauplatz sieht aus wie ein riesiges Trümmerfeld, denn alle anderen Schneebildhauer arbeiten ähnlich. Meist kann man nach 1 bis 2 Tagen die Grundidee der Skulptur erkennen und die Mengen an losem Schnee um die Kunstwerke herum wird weniger, weil dann detaillierter gearbeitet wird.

Trotzdem ich beim vorherigen Symposium in der Provinz Quebec eine tolle Seilsäge erworben habe, benutzen wir sie gar nicht, sondern tasten uns langsam an die runden Formen heran.

Eine Überlegung ist immer präsent: kommen wir an oben gelegene Teile später noch heran oder müssen wir sie schon vorher wirklich fein behandeln, raspeln und mit glätten?

Nach 3 Stunden Arbeit am Vormittag steht schon gleich das gemeinsame Mittagessen im Kinsmen Club an. Wir wandern die 10 Minuten in unseren dicken Arbeitsklamotten rüber in das gemütliche Häuschen, wo uns kalorienreiche Leckereien aufgetischt werden. Tolle Suppen, Nudel- und Fleischgerichte nebst delikatem Kuchennachtisch sind täglich auf dem Programm.

Wenn man dann einmal so in der Wärme sitzt, möchte man gar nicht wieder aufstehen. Ich hätte eher Lust auf ein Mittagsschläfchen oder ein nettes Pläuschchen mit den Kollegen, die französischen spielen zum Nachtisch erst einmal eine Runde Billard.

Der Arbeitsalltag – Snowcarving beim Festival du Voyageur in Winnipeg

Dann beginnt die Nachmittagsschicht, die ist etwas länger und dauert bis sechs Uhr. Sie wird allerdings durch wärmende Pausen im geheizten Trailer unterbrochen. Hier gibt es Kaffee und Müsliriegel zur Stärkung. Auch zwischendurch mal hinsetzen tut gut.

Am Donnerstag wird das Gelände des Festival du Voyageur in Winnipeg mit vielen Schulkindern bevölkert. Schon vor der offiziellen Eröffnung dürfen sie sich das Gelände und natürlich unsere Arbeiten anschauen. Gelbe Schulbusse fahren vor und laden viele kleine Schüler dafür aus und sammeln sie am Nachmittag wieder ein.
Am Freitagabend findet dann die große offizielle Eröffnung des Festivals im 50. Jahr seiner Existenz statt. Menschen schreiten zum zentralen Festplatz und sind in edle Pelze gekleidet. Schließlich ist es auch das Festival der reisenden Händler, die vor allem mit Pelzen gedealt haben. Schicke Pelzkappen und Krägen schmücken lange schwere Mäntel von Männern mit Bart und kräftig geschminkten Frauen.

Wir versuchen derweil noch etwas an unserer Skulptur zu arbeiten, jedoch stellen wir schnell fest, dass die ständig wechselnden Diskolichter kein zuverlässiges Arbeiten möglich machen. Ich sehe weder Linie noch Fläche und so geben wir es schließlich auf und schauen nur dem wahrlich bunten Treiben zu.
Die lange französische Rede, von der ich kein Wort verstehe wird am Ende mit einem Feuerwerk über den Skulpturen gekrönt. Das sieht toll aus.

Das deutsche Team ist erschöpft und lässt sich durch die Festivalfahrer bald nach Hause fahren. Ich genieße noch die Sauna im Fairmont Hotel im 21. Stockwerk. Das tut wirklich gut nach so einem kalten Tag mit viel körperlicher Arbeit.

Am Samstag ist der erste offizielle Festivaltag und das Gelände füllt sich mit vielen Menschen. Wir arbeiten, was das Zeug hält und lassen uns nicht ablenken. Obwohl in den großen Zelten um uns herum Bands spielen und es lecker nach Essen duftet, sollten wir schon noch unsere Skulpturen beenden. Das heißt in unserem Falle die Linien und Rundungen finalisieren und dann mit Raspel und Sandpapier glätten. Unsere Eier, wie wir sie liebevoll nennen, sehen am Ende ganz gut aus. In eines passen wir sogar hinein und da lassen wir uns dann auch fotografieren.

Ach wie schön, an diesem sonnigen Sonntag alles fertig zu haben und am Abend schön im Restaurant gemeinsam zu essen. Hier muss ich nochmal betonen wie wertvoll und wichtig die Gemeinschaft der Künstler ist, die man an den verschiedenen Orten und Winterfestivals immer wieder trifft. Mittlerweile haben sich tolle Freundschaften, die auch im Sommer halten.

Das Finale – Snowcarving beim Festival du Voyageur in Winnipeg

Am Sonntag sind wir zum brunchen verabredet, wie auch schon in den vergangenen Jahren im Cafe Stellas im Cultural Center Franco Manitoba.

Abends lädt uns Teammitglied Carole zu sich nach Hause ein. Sie kocht für unser Frauenteam und wir dürfen ihre Maja, den Golden Retriever kennen lernen. Ich mag es sehr hier immer mehr anzukommen und das Leben der Kolleginnen kennen zu lernen.

Morgen früh geht es für die neue Teamkonstellation Jodine, Theressa und Geertje nach Yellowknife zum Snowking. Darüber berichte ich aber im nächsten Blogpost.

Snowcarving beim Festival du Voyageur in Winnipeg wird 2019 unterstützt vom deutschen Generalkonsulat in Toronto und von der Destination Kanada. Vielen Dank dafür.

Über die Erlebnisse in Winnipeg 2018 und 2017 liest du in den jeweiligen Blogposts.

 

 

Geertje

Geertje schreibt und fotografiert auf Reisen gerne, um diese intensiven Momente des Lebens festzuhalten. Sie möchte diese wunderbare Welt auch ihren Kindern zeigen und reist deshalb am liebsten als Familie in den Norden. Schön ist es, wenn Bilder und Texte auch andere Familien zum Reisen inspirieren.

Kommentare sind geschlossen