Unsere Insel – Hiddensee im Herbst

Hiddensee im Herbst ist eine herrliche Alternative zu tropischen Inseln im Mittelmeer, denn….

Wir gehen am Meer im tiefen Sand, 
Die Schritte schwer und Hand in Hand. 
Das Meer geht ungeheuer mit, 
Wir werden kleiner mit jedem Schritt. 
Wir werden endlich winzig klein 
Und treten in eine Muschel ein. 
Hier wollen wir tief wie Perlen ruhn, 
Und werden stets schöner, wie die Perlen tun. 

Max Dauthendey . 1867-1918 

Änderung der Reisepläne 

Warum nicht mal mit einem Gedicht beginnen? In diesen Zeiten, in denen unser Leben mehr oder weniger seit Monaten in einer Art Parallele zum Normalen verläuft. Der Ausnahmezustand ist Routine und doch nicht so richtig.  

All unsere Planungen waren am Freitag vor unserer Abreise hinfällig. Wir wollten zwar an die Ostsee, doch auf die polnischen Seite, uns mit Freunden treffen, neue Entdeckungen machen. Wir waren noch nie gemeinsam an der polnischen Ostsee. Und zwei Wochen vor den Herbstferien schien das eine attraktive Idee. Also planten wir und buchten. Doch in den Tagen vor unserer Abreise kam die zweite Welle und sie kam mächtig. Polen wurde dieses Mal hart getroffen und unsere Reise damit hinfort gespült.  

Unsere Insel – Hiddensee

Und um im Bild zu bleiben, die zweite Welle warf uns an den Strand von Hiddensee. Unsere vertraute und geliebte Insel. Wir waren hier schon oft und meistens im Herbst oder Winter. Wir können das genießen und der Umstand, dass Berlin ein Hotspot war (Potsdam aber nicht) ermöglichte uns, ein Haus hinter dem Deich zu buchen, das von Berlinern genauso kurzfristig storniert wurde, wie es von uns gebucht wurde.  Sonntagnachmittag wehte uns der Wind auf der Fähre von Schaprode nach Vitte um den Kopf. Die Nase war ja bedeckt. 

Eine Reisetasche und vier Fahrradtaschen an unseren Fahrrädern mussten nur ein kleines Stück in Vitte transportiert werden und schon standen wir vor unserem Ferienhaus. Direkt hinter dem Deich. 1 Minute vom Strand. Es stürmte und nieselte, aber wir gingen trotzdem eine Stunde spazieren. 

Es wütet der Sturm, 
Und er peitscht die Wellen, 
Und die Welln, wutschäumend und bäumend, 
Türmen sich auf, und es wogen lebendig 
Die weißen Wasserberge, 
Und das Schifflein erklimmt sie, 
Hastig mühsam, 
Und plötzlich stürzt es hinab 
In schwarze, weitgähnende Flutabgründe -[..] 

Heinrich Heine 1823-1827

So stürmisch und bewegt die Zeiten sein mögen, so entrückt scheinen sie hier auf der Insel zu sein. Wir sind etwas entrückt.  

Hiddensee

Die Sauna hat pünktlich nach dem Abendessen eine gute Temperatur erreicht. Wir schwitzen um die Wette und Geertje lässt sich es nicht nehmen, sich in die Fluten zu werfen. Wir alle werfen uns als bald dann ins Bett und schlafen ein zum fernen Meeresrauschen, das nur vom Heulen des Sturms und dem Prasseln des Regens gegen die Fenster ab und zu übertönt wird. 

Inseltage auf Hiddensee

Das Haus besteht aus zwei Teilen und in dem anderen Teil wohnt ein kleine Familie, eine Mutter mit zwei Kindern. Der Sohn im Alter von Morten, die Tochter noch im Vorschulalter. Wir freunden uns über die Tage an. Die Jungs machen kleine Fahrradtouren zu Spielplätzen oder dem Kletterbaum auf halben Weg zwischen Vitte und Kloster.  

Wir machen all zusammen eine langen Strandspaziergang. Der Wind ist noch stark und wir kommen kaum voran. Müssen wir aber auch nicht. Wir sprechen und schauen und mit uns viele Jackenverpackte Menschen, die wie wir die Sonne genießen.  

Am Spielplatz am Hiddensee Nationalparkhaus toben sich die Kinder aus während die Eltern sich in Gespräche vertiefen. Die Zeit zieht dahin und wir genießen.

Ein kleines Abenteuer in Kloster auf Hiddensee

Wir machen auch eine Fahrradtour, die zu einem kleinen Abenteuer werden soll. Den Klausner erreichen wir nach langem Aufstieg mit den Rädern hungrig und bestellen reichlich. Die Kinder essen Kaiserschmarrn mit Vanilleeis und treiben uns ältere an. Es ist nicht mehr weit zum Leuchtturm und auf den wenigen Metern schlägt so dann das Wetter um. Es beginnt heftig zu stürmen und zu regnen, was aber die Geertje und die beiden Jungs (der Nachbarsjunge ist mit dabei) nicht von einer Besteigung des Leuchtturms abhält. Merle und ich warten im Wind- und Regenschatten.  

Wir machen uns auf den Rückweg und Morten freut sich schon auf das Runterfahren des langen Aufstiegs, den er auf dem Hinweg bewältigen musste. Doch auf halber Strecke Richtung Kloster passiert es. Sein Hinterrad blockiert. Es dreht sich einfach nicht mehr. Während wir eine Diagnose beginnen, läuft uns eine befreundete Familie aus Berlin zufällig über den Weg. Wir kommen gemeinsam zu dem Schluss, dass ohne Werkzeug und Fachwissen, hier keine Lösung zu finden ist. Glücklicherweise findet sich am Orteingang von Kloster ein Fahrradverleih mit Werkstatt. Doch nach langem Warten stellt lässt sich nur ein schwerer Schaden in der Narbe des Rückrades feststellen. Ursache scheint das heftige Bremsen mit der Rücktrittsbremse bergab gewesen zu sein. In Kombination mit Materialermüdung und dem Alter des Rades war das wohl zu viel.  

Ohne Ersatzrad bleibt nur das Morten mit Geertjes Rad nach Hause fährt und Geertje Mortens Rad nach Vitte schiebt. Die Stimmung bleibt dennoch gut und eine Verabredung mit den bekannten aus Berlin für die nächsten Tage verspricht lustig zu werden. Noch mehr Kinder. Erstmal endet der Tag aber mit Essen, Sauna und puzzlen bis uns die Augen zufallen. 

Hiddensee

Drachen und Kino 

Der Regen hat die Insel hinter sich gelassen und nur der Wind bleibt uns übrig, den wir dann nutzen um Drachen steigen zu lassen. Die Jungs haben Spaß. Der Tag zieht entspannt dahin. Als nachmittags die Sonne rauskommt, wandern wir nach Kloster und Essen da mit unseren Hausnachbarn etwas zu Mittag. Die Sonne scheint, der Wind weht und die Kinder treiben sich gegenseitig an, so dass das Wandern zu einem Spaß wird. Die Pferde vor Kloster begrüßen uns freundlich und nur die maskierten Menschen auf den Pferdekutschen wirken gespenstisch deplatziert.  

Abends machen Geertje und ich etwas, dass wir seit Jahren nicht mehr gemacht haben. Wir gehen ins Kino. Ins Inselkino. Ein romantischer Film mit Nora Tschirner. Die Kinder haben es sich zu Hause mit linearem Fernsehen gemütlich gemacht. Sie sind aber schon genervt von der vielen Werbung in den Privatsendern. Von zu Hause kennen sie das nicht.  

Lachende Kürbisse auf Hiddensee

Die Insel macht uns ein Angebot. Kürbisschnitzen vor dem Inselkino zur späteren Dekoration des Rathauses. Es regnet leicht, aber das ist kein Grund für uns, nicht dorthin zugehen. Da Kürbisschnitzen nicht so mein Ding ist, werde ich beauftragt doch für da Abendessen irgendwo frischen Fisch zu besorgen.  

Ich beginne mich durchzufragen, lerne Bernd kennen, der glaubt sein Kumpel Jürgen würde gleich anlegen und hätte bestimmt was dabei, doch Jürgen und sein Boot sind nirgends zu sehen und kommen auch nach eine Weile warten im Regen nicht. Auch Willi in Kloster ist nirgends zu finden und so lande ich am Hafen von Vitte und bekomme auf Nachfrage frischen Zander. Ein Festmahl. 

Bei meiner Rückkehr strahlen mich die Kürbisse und meine Familie an. Tolle Meisterwerke sind da entstanden.  

Das Wetter lässt und den Kamin und die Saune in unserem Haus umso mehr genießen und so klingt ein weiterer Tag gemütlich aus.  
 

Nach Süden – Die Heide und der Leuchturm  

Eine letzte, abschließende Fahrradtour auf Hiddensee wollten wir dann noch machen und so liehen wir mir und Morten ein Rad für einen Tag. Picknick eingepackt und los ging es Richtung Neuendorf. Bei sonnigem Wetter fuhren wir durch die Heide, Morten vorne Weg mit riesiger Energie. Schnell waren wir am Hafen von Neuendorf. Aßen und tranken etwas um dann die letzte Etappe bis zum Leuchtturm zu bewältigen. Morten hatte seine Energie nicht so gut eingeteilt und so zieht es sich etwas bis wir unser Ziel erreicht haben. Doch erstmal angekommen muntert ein Picknick alle auf. Hinter dem Deich ist es windstill und wir genießen den Blick über die Heide zum Horizont. Geertje macht sich allein auf einen kleinen Spaziergang um Bernstein zu suchen und wir bleiben zurück um die Ruhe zu genießen.

Als wir einen Schäfer und seine Schafsherde entdecken, beschließen Mortellini und ich, ihm einen kleinen Besuch abzustatten. Er freut sich über die Ablenkung, und während wir ein bisschen reden, gesellt sich Geertje zu uns.  

Hier in der Weite der Heide zu stehen, zwischen den Schafen und auf den Horizont zu gucken während man mit einem Schäfer plaudert, ist der ideale und ruhige Abschluss unserer kleinen Reise.  

Joachim Ringelnatz schrieb in seinem Gedicht Insel Hiddensee 

Und des Leuchtturms Strahlen segnen 
Eine freundliche Gesundheit. 

Wir wollen es hoffen.  

Wir kommen wieder wie schon die Male davor.

Ein Video haben wir diesmal auch schon fertig.

Viel Spaß!

Unser kurzer Videoclip für alle mit Fernweh.

Papa

Jan Marquardt ist als Papa von Merle und Morten gut ausgelastet. Hat aber doch noch Zeit sich als Videograf, Blogger und Journalist mit all den spannenden Themen zu beschäftigen, die ihn an neue virtuelle und reale Orte führen. Das ein oder andere Foto hat er auch schon zum Blog beigesteuert. Und viele Texte von unterwegs versehentlich als Geertje Jacob eingeloggt veröffentlicht, daher steht in den Texten meist noch ein extra Hinweis auf seine Autorenschaft. Falls nötig :)

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