Wintermöcki – verschneites Silvester in Finnland

Der Schnee dämpft jedes Geräusch um uns. Es ist so still in unserem Wintermökki im Osten Finnlands, dass es in meinen Ohren rauscht, als wir abends in Bett gehen. Die Nacht ist lang, denn es wird erst gegen neun Uhr etwas hell. Ich blinzele und sehe den See im Morgengrauender direkt vor dem großen Panoramafenster unseres Mökki liegt. Die Landschaft ist in ein Blaugrau getaucht, eine unberührte Schneedecke zieht sich hinunter zum imaginären Ufer des Sees, denn wo Wasser und Ufer ineinander übergehen kann ich nur aus den Beschreibungen der Möckibesitzer erahnen.

„Zwischen den Jahren“ in unserem Haus am See…bzw. im Schnee

Ich starre noch eine ganze Weile aus dem Fenster und jede Minute wird es etwas heller. Irgendwann wird mein Drang nach draußen zu gehen aber so groß, dass ich die schmale Holztreppe nach unten tapse, den Kamin anschmeiße und mir einen heißen Kaffee aufbrühe.

Morten folgt mir und so sind wir beide ein bisschen hibbelig, endlich das Draußen zu erkunden, finden es aber gleichzeitig auch so gemütlich von hier drinnen nach draußen zu schauen, dass wir noch ein paar Minuten am Küchentisch verweilen und den Farbwechsel draußen beobachten.

Dann geht es los, Morten zieht seinen Skianzug an, ich streife mir meinen Arctic Anorak über und aus der reichen Auswahl an Skiern, die wir hierher transportiert haben, wählen wir die richtigen aus.

Zum Seeufer geht es etwas bergab und die Skier gleiten durch die unberührte Schneedecke. Es knistert, der Atem ist zu sehen. Es müssen so ungefähr minus 10 Grad sein. Morten hat sofort die Bewegung mit den schmalen Langlaufskiern wieder drauf, ich mache ihm eine Spur in die Bucht hinein durch den Schnee. Das Licht hier im Norden ist in dieser Jahreszeit so besonders und wertvoll, weil es nicht so viel davon gibt.
Ich genieße es und schaue immer wieder zurück ans Ufer, wo ein paar Ferienhäuser, Möckis, stehen.

Mit unseren Skiern erreichen wir eine kleine Insel, die in der Bucht zu liegen scheint, der kleine Skifahrer schnallt gleich seine Skier ab und beginnt auf den riesen Steinen umher zu klettern.

Ich fotografiere das verschneite Schilf, den Schnee, den Himmel. Am Ufer unterhalb des Ferienhauses versammeln sich gerade ein paar Menschen, unsere Nachbarn, eine Finnisch-schweizerische Familie wollen uns warnen, dass man nicht so weit auf den See hinaus gehen sollte, da ein Fluss da hindurch geht.

Wir stapfen zurück. Ich habe Schwierigkeiten, Morten erneut die Langläufer anzulegen, deshalb geht er zu Fuß und trägt die Skier zurück. Am Ufer lernen wir die Familie kennen, sie sind Sommers wie Winters regelmäßig hier und genießen sowohl die Mitternachtssonne als auch den echten Winter hier im Osten Finnlands. Wir erfahren, dass nicht unweit vom Haus ein paar Fischer Netze unters Eis gesetzt haben. Spannend wäre, es beim Herausnehmen zuzuschauen. Das soll in ein paar Tagen stattfinden.

Es fängt an zu schneien und schon am frühen Nachmittag wird es wieder dunkel. Richtiges Tageslicht haben wir hier in den Breiten nur zwischen 10 und 14 Uhr Ende Dezember. Umso gemütlicher ist es, den restlichen Tag am und im Haus zu verbringen.

Es ist ein richtiger Familienort mit unzähligen Brettspielen unter dem Wohnzimmertisch und einer riesigen Sammlung an DVDs in Deutsch und Schwedisch.

Die Kinder sind besonders scharf darauf die Darmstadt Edition von Monopoly zu spielen. Dieses Spiel besitzen wir zu Hause nämlich nicht und Morten zählt derzeit sowieso gerne sein Taschengeld.

Der Kamin wird weiter gut geheizt und schließlich auch am frühen Abend die Sauna angeheizt. Es ist eine elektrische Sauna gleich im Haus. In Finnland ist es sonst auch üblich eine holzbeheizte Sauna in einem extra Häuschen zu haben. Die Wärme ist etwas anders und die Mühe natürlich. Wir genießen den Luxus, nicht extra Holz hacken zu müssen, um damit die Sauna zu beheizen. Ich wage das Experiment und rolle mich nach dem ersten heißen Saunagang im Schnee. Es kribbelt und prickelt auf der Haut. Herrlich.

Dann sitzen wir noch ein bisschen in Handtücher gemummelt vor dem Kamin und schauen den Film „Ronja Räubertochter“ auf Schwedisch.

Jan genießt es, uns im Urlaub zu bekochen. So bekommen wir ein schönes Abendbrot bevor wir uns in die Betten schwingen, weil es nun doch spät geworden ist. Es ist eben doch soviel zu tun, wenn nichts zu tun ist. Herrlich!

 

Silvester in Finnland

Ich blinzele mit den Augen und sehe hinaus in einen blaugrauen Tag über einem zugefrorenen finnischen See. Es ist zwischen 8 und 9 Uhr morgens und die wenigen Stunden Tageslicht beginnen jetzt zu strahlen. Wir essen vor dem flammenden Kamin unser Müsli und trinkenden dampfenden Kaffee. Sodann sind wir gestärkt für den Silvestertag im verschneiten Finnland.

Wir wollen einen Ausflug in den Konnevesi Nationalparkt machen. Durch einige Recherche haben wir herausgefunden, zu welcher Grillhütte am Wanderweg wir mit wenig Aufwand gelangen. Trotzdem nehmen wir Skier mit, vielleicht sollte das ja eine schöne kurze genußvolle Skitour sein. Außerdem haben wir einen Rucksack voller Picknick gepackt und im nächsten Supermarkt in Rautalampi Grillwürstchen nebst Banane und Schokolade gekauft.

Mini-Skitour durch den Konnevesi Nationalpark

Wir fahren mit unserem VW Bus durch verschneite Straßen immer noch ohne Schneeketten. Die verschneiten Straßenschilder sind nur schwer zu entziffern jedoch finden wir den Weg zu unserem Parkplatz am Rande des Konnevesi Nationalparks.

Ich schnalle mit den Kindern die Skier an nachdem wir kurz den Wanderweg inspiziert haben.
Jan geht zu Fuß und trägt den Rucksack. Die Kids sind super motiviert und geschickt, obwohl es ganz schön auf und ab geht und der Wanderweg für Skier ganz schön schmal und geschlängelt verläuft.

Eine dünne Schneedecke liegt auf dem Boden wie auch auf den Bäumen und Sträuchern im Nationalpark, es ist wunderbar still.

Der Weg ist gerade mal einen Kilometer lang, wir benötigen aber fast eine Stunde und deklarieren es als Genußweg. Bald kommen wir an einem gut gepflegten Rastplatz an. Das heißt in Skandinavien, dass es einen Holzvorrat eine gute Grillstelle und auch Trockentoiletten gibt. Das Beste jedoch ist die fabelhafte Aussicht über den See …

Auch hier sind wenige andere Wanderer zu Besuch, die Schneedecke auf dem kleinen See ist fast unberührt. Eine Spur führt quer rüber. Der folge ich und bewundere die Felswände am Ufer des Sees.

Der Rest der Familie entfacht schon mal das Feuer an der Grillstelle. Das gespaltene Holz dafür liegt gleich daneben bereit. Das liebe ich an den skandinavischen Nationalparks, sie laden regelrecht zum Besuch ein und es ist immer alles bestens gepflegt.

Als ich zur offenen Grillhütte zurückkehre sind die Würstchen schon heiß. Mittlerweile haben sich noch andere Gäste eingefunden, die auch etwas Grillgut aufs Feuer legen. Sie kommen aus St.Petersburg, wie sich rausstellt.

Wir können uns gut und gerne hier einige Zeit am Feuer aufwärmen, ein Silvester Foto schießen. Morten spielt ganz versunken im Schnee.

Als es am frühen Nachmittag schon wieder etwas dunkel wird, müssen wir den Rückweg zum Parkplatz antreten. Wieder mit Skiern an den Füßen meistern wir den Kilometer zu unserem VW Bulli.

Jetzt heißt es noch, Silvestereinkauf tätigen und ab in die Hütte, es ist Schneesturm angesagt, da wollen wir in Sicherheit sein.

Silvester im verschneiten Mökki

Wir kaufen nach einiger Diskussion einen ganzen Lachs, etwas zum Bleigießen und ein paar Wunderkerzen, denn Böller gibt es nur in Suonenjoki, was 20 Kilometer entfernt ist.

Von Rautalampi in unsere gemütliche Unterkunft sind es nur 20 Minuten und dann kann der Silvesterabend beginnen. Dazu gehört es natürlich, das alte Jahr abzuwaschen. Das passiert mit einem zünftigen Saunagang. Pfefferminzaufguss lässt uns tief durchatmen.

Der Lachs kommt in eine Auflaufform zusammen mit Suppengemüse und Salz und Pfeffer und wird schön durchgegart. Dazu gibt es Kartoffeln und Blumenkohl.

Nach dem Abendessen sind wir schön müde und haben eine gewisse Bettschwere. Auf dem Abendprogramm stehen jedoch einige Spielerunden und die Fünf Freunde als DVD.

Draußen erhebt sich langsam ein zünftiger Schneesturm. Man hört es regelrecht und auf dem Wetterradar sehen wir eine riesen Schneewolke über das Land ziehen.

Gegen 22 Uhr bemerken wir, dass die Nachbarn einige Raketen und Böller starten. Das ist ein Grund, sich anzuziehen und den kleinen Hügel hinterm Haus hinauf zu stapfen und gemeinsam schon mal vorzeitig das neue Jahr zu begrüßen oder das alte zu verabschieden. Die Kids haben einen riesen Spaß mit dem Feuer zu spielen. Dazu kommt die besondere Herausforderung, dass bei dem Sturm kaum ein Feuerzeug anzukriegen ist.

Bis um Mitternacht beschäftigen wir uns noch mit Bleigießen, die finnischen Utensilien dazu haben wir im Supermarkt gekauft, das dicke Hufeisen ist nur im Kamin zum Schmelzen zu bringen. Jedoch haben wir alle vielversprechende Voraussagen für das Jahr 2019.

 

Morten: eine Qualle und Pilz, Merle: Schwein, Jan: Golfschläger, Geertje: Nuss oder Erdbeere….

Um Mitternacht stoßen wir mit sprudelnden Getränken an und müssen noch schnell einen Film zu Ende gucken. Es war wirklich schwer, so lange wach zu bleiben – jedenfalls für uns Erwachsenen. Ich erinnere mich allerdings auch an Silvesterabende mit noch kleineren Kindern, die wir prompt verschlafen haben.

Neujahrstag im finnischen Möcki – Das Iglu

Alle sind einigermaßen müde und die Augen gehen erst auf, als es draußen schon richtig hell ist. Das bedeutet, dass es schon gegen zehn Uhr ist. Ein gemütliches Frühstück und die Mama auf Schneeschuhen ist der perfekte Beginn für 2019.

Ich stapfe durch den Wald, dessen Hauptweg gestern noch gut zu befahren war. Er ist völlig zugeschneit und mit unserem VW Bus hätten wir gerade keine Chance dort durchzufahren. Es ist still bis auf ein paar mystische Geräusche. Manchmal bleibe ich stehen, denn mein Schritt und das Rascheln meiner Kapuze ist mir zu laut.. Die Stille ist fast unheimlich. Schwerer nasser Schnee liegt auf den zarten Ästen der Bäume. Und da ist ein ganz ungewöhnliches Geräusch und ich schaue mich um.  Der Schnee war wohl für ein paar Äste zu viel und er fällt in großer Ladung auf den Boden. An anderer Stelle knackt ein ganzer Ast unter der Last zusammen.

Ich hoffe, frische Tierspuren zu entdecken, denn Päivi , die Nachbarin berichtete davon, dass es hier neben Rotwild und Elchen auch Wildkatzen und Wölfe gibt. Wie fantastisch wäre es eben diese Tierspuren hier im Schnee zu entdecken. Jedoch finde ich ganz merkwürdige Streifenspuren. ( Foto)
Ich kann mir es nur erklären, dass es Vogelschwänze sein müssen, die diese Streifen im Schnee hinterlassen. Ich finde allerdings keine Vogelfußspuren.

 

Als ich nach etwas über einem Kilometer die „Hauptstraße“ erreiche, weiß ich, dass heute kein Ausflugstag sein soll. Der Schnee ist zwar schon etwas durchfahren, aber die Straße ist nicht geräumt und wir hätten mit unserem Auto hier keine Chance. Wie schön. Ein Grund mehr, hier ganz gemütlich zu sein.

Als ich wieder zum Möcki komme, sehe ich meine Familie am Seeufer das Iglu weiter bauen. Wie fleißig und motiviert. Toll. Ich freue mich sehr und packe gleich mit an.

Wir füllen eine große Plastikkiste mit reichlich Schnee, stapfen sie fest und stülpen sie als Bausteine auf die kreisrunde Iglumauer.

Es ist nicht sehr kalt, eher mild, der Schnee schön pappig. Morten ist es gelungen, eine riesengroße Kugel zu rollen, die ihn fast überragt. Es geht zügig voran und die Arbeitsaufteilung ist perfekt. Zwei Leute kümmern sich um die Bausteine, die anderen zwei um das Lückenfüllen, die entstehen, dadurch, dass die Steine nicht konisch sind.

Zwischendurch bringt Jan mal eine Thermoskanne warmen Tee und wir arbeiten fleissig weiter bis zum Einbruch der Dunkelheit. Ich bin in der Mitte des Iglus und helfe von Innen die Steine zu halten und zu verfugen. Schließlich mach ich auch von innen das Gebäude zu. Oben gelingt es uns nur noch mit einigen Brocken zu arbeiten.

Dann ist es schließlich so gut wie dunkel, drinnen wie draußen. Es ist eine fantastische Akustik drinnen, man kann Selbstgespräche führen, die draußen niemand hört. Der Schnee schluckt alles.

Wir sind alle pitschpatsche nass vom Schweiß und nassen Schnee. Die Hälfte der Klamotten landen im Trockner, der jetzt Gold wert ist.

In vielen Skihütten gibt es dafür eine Trockenschrank, durch den warme Luft pustet. Aber dieses Möcki hier ist ja keine ausgesprochene Skihütte.

Es muss natürlich noch ausführlich fotografiert werden mit Stativ und ohne, mit Beleuchtung von innen und von außen. So ein Iglu ist ein geduldiges Motiv.

Wie andere Tage endet dieser mit einem zünftigen Saunagang. Die Sauna ist elektrisch und hat nach ca einer dreiviertel Stunde die Wunschtemperatur von 80 Grad erreicht.

Auch der Kamin strahlt schon wohlige Wärme aus. Heute musste ich schon einen kleinen Pfad durch den Schnee zum Holzschuppen schippen. Auch dabei wird mir schon schön warm.

An so einem winterlichen Möcki kann man gut ein paar Tage verbringen ohne auch nur das Auto zu bewegen oder irgendwelche Ausflugsgedanken zu hegen. Das ist schön heimelig. Tausende Schneeprojekte fallen mir dazu ein.

 

Geertje

Geertje schreibt und fotografiert auf Reisen gerne, um diese intensiven Momente des Lebens festzuhalten. Sie möchte diese wunderbare Welt auch ihren Kindern zeigen und reist deshalb am liebsten als Familie in den Norden. Schön ist es, wenn Bilder und Texte auch andere Familien zum Reisen inspirieren.

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