Natur um Québec City

Vereiste Wasserfälle im Parc de la Chute-Montmorency

Wir beschließen, den nächsten freien Tag zu nutzen, um uns die vereisten Wasserfälle im Parc de la Chute-Montmorency anzuschauen. Irgendwo habe ich gelesen, dass man dort Eisklettern kann und ich hoffe heimlich.

Ein gewöhnlicher Linienbus bringt uns durch die eisige Stadt auf eine Insel im Fluss, wie ein Vorort von Québec. Dort laufen wir durch einen verschneiten Park und hören bald das Rauschen von Wasser. Und jetzt sehen wir auch auf einen gewaltigen Abhang, der teilweise vereist ist und teilweise sprudelnd vor Wasser. 83 Meter stürzt sich das Wasser in die Tiefe. Der Wasserfall ist also höher als die Niagarafälle – wie beeindruckend. Am Fuße sammelt sich ein Zuckerhut aus feinem Schnee, „pain de sucre“. Ein schönes Naturphänomen.

Es ist eisig und windig hier draußen, wir ziehen unsere Kapuzen zu und ich muss achtgeben, beim Fotografieren wenigstens dünne Handschuhe anzuhaben. Trotz der tiefen Temperaturen tummeln sich am Fuße des zugefrorenen Teils Menschen mit Kletterausrüstung. Über eine lange Zick Zack Treppe aus Holz gelangen wir auch dorthin. Vorsichtig nehmen wir eine zugeschneite Stufe nach der anderen. Eine Hand immer am Handlauf. Die Augen immer auf die Treppe gerichtet. Kleine Aussichtsplattformen laden uns zum Verweilen ein und wir werden nicht müde, den berauschenden Anblick zu fotografieren.

Unten angekommen ist das Wassergetöse Ohrenbetäubend, die Eiszapfen zum Greifen nahe. Die Kletternden scheinen eine Jugendgruppe zu sein. Man muss sich anscheinend anmelden und alles vorher organisieren, wenn man Klettern will. Wir sehen eine Seilbahn über den See schweben und beschließen über den zugefrorenen See zur Station zu stapfen. Wir folgen einfach den vorgetrampelten Spuren im Schnee, die in diese Richtung führen.

Doch plötzlich wird mir mulmig. Ich merke, dass es nur noch unsere Spuren sind, hier noch niemand vor uns lang gegangen und eine dünne Decke von kleinen Eisschollen bricht knisternd bei jedem Schritt ein, bis ich auf festen Schnee stoße. Unvorhersehbar bricht der Fuß bei jedem dritten bis fünften Schritt bis zur Wade ein. Mir ist unwohl und ich merke, dass wir noch mindestens 50 Meter so überwinden müssen, um ans Ufer zu gelangen. Malou geht vorne und von ihr gehen Gelassenheit und Sicherheit aus.

Wir kommen an der Seilbahnstation an, zeigen unseren Québec Paßport und bekommen eine freie Überfahrt über die Wasserfälle. In dem Heftchen sind noch weitere Kultureinrichtungen verzeichnet, zu denen wir freien Eintritt bekommen könnten, leider haben wir keine Zeit mehr dafür.

Wir stiefeln zurück durch den Park zur Busstation und gelangen wieder in die quirlige City. Ungetrübte Shoppinglust meiner Kolleginnen führt zu zwei Fellkappen, die sie ab da nur noch zum Schlafen ablegen. So eine Bisamratte muss schon ein schönes Kuscheltier sein.
Ich unternehme den Versuch, ein Museum zu besuchen, vergesse aber, dass Montags fast alle Museen geschlossen sind. Auf dem Rückweg schlendere ich durch die Straße mit abenteuerlichen Holzkonstruktionen zwischen Häusern und Steilwänden. Es gab nämlich Zeiten, da die Flut des Sankt Lorenz Stromes so hoch gestiegen ist, dass die Häuser nicht durch den Haupteingang betreten werden konnten. Ich fühle mich an Amsterdam erinnert.

Internationaler Schneeskulpturenwettbewerb

Am Montag Abend findet der Eröffnungsabend des Schneeskulpturen Wettbewerbs statt. Wir lernen die anderen Teams kennen und unsere ‚Betreuerin‘. Viele Voluntere sorgen dafür, dass der Carnaval de Hiver stattfinden kann.
Wir posieren für ein Gruppenfoto vor den Flaggen und merken gar nicht, dass dort gar nicht die Deutsche Fahne hängt, sondern die Belgische. Erst am Ende des Wettbewerbs draußen auf der Bühne wird es klar und alle entschuldigen sich und tauschen schnell die Fahnen aus.
Bonnehomme ist das Maskottchen des Festivals. Es scheint ein Menschgewordener Schneemann, der ‚Gute-Mann‘. Ein armer Mann im Kostüm hält eine französische Rede und posiert nochmal mit allen Teams und allen die wollen. Anscheinend ist es ein Glücksbringer, denn alle wollen unbedingt auf einem Foto mit ihm sein. Fröhlich vom Wein und Essen werden wir in den weiteren Abend entlassen.

Vielen Dank an die Destination Québec für die Unterstützung vor Ort.Unsere Arbeit wird weiterhin unterstützt von Solveig Schirmer mit Interiors Berlin, dem Deutschen Generalkonsulat in Montreal. Ausrüstung haben wir von finside getestet.

Geertje

Geertje schreibt und fotografiert auf Reisen gerne, um diese intensiven Momente des Lebens festzuhalten. Sie möchte diese wunderbare Welt auch ihren Kindern zeigen und reist deshalb am liebsten als Familie in den Norden. Schön ist es, wenn Bilder und Texte auch andere Familien zum Reisen inspirieren.

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